2026-001/documents/philipp-sucht-sein-ich/pages/107.md

2.3 KiB
Raw Blame History

107

Beziehungsangebote der Pädagoginnen zu reagieren, die Übertragung traumatischer Erfahrungen auf heute und ihre Stressregulation überfordern zum Teil die Pädagoginnen und Pädagogen in den Einrichtungen und auch soziale Fachmenschen in Kindertagesstätten (Picard 2016) und Schulen (Ding 2009). Durch die Ausbildung wurden und werden diese bisher nicht auf die Konfrontation mit traumatischen Erinnerungsebenen vorbereitet (Kap. C). Die Überforderung führt auch dazu, dass schwierige Kinder nicht gehalten werden und diese unverstanden unverhältnismäßig oft ihren Lebensmittelpunkt wechseln müssen. Doch die Pädagoginnen können den Betroffenen zur kognitiven Neuordnung ihrer Geschichte verhelfen, die Pädagogik bietet Möglichkeiten zur Unterstützung bei der Korrektur behindernder Selbstbilder und Verhaltensweisen und kann eine Orientierungshilfe für eine relativ selbstbestimmte Zukunft sein. Es geht um pädagogische Interventionen, die der psychischen und sozialen Stabilisierung traumatisierter Kinder dienen, ihre Eigeninitiative fördern, Isolation aufheben, den Zugang zu Bildung ermöglichen und ihnen Spielräume zur Selbstfindung (Probehandeln, Lösungsstrategien, Rollenspiele etc.) anbieten. Traumapädagogische Interventionen sind „Interventionen vor Generalisierung und Chronifizierung der dissozialen Erlebnis- und Verhaltensstörungen […]“ (Eberhard/ Malter 2000). In Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, in denen Mädchen und Jungen aus herausfordernden Lebensumständen lernen und leben, ist ein stabilisierender Umgang mit traumatischen Erinnerungsebenen wie z. B. Rückblenden und traumatischen Übertragungen ein wichtiger Beitrag. Ein von Fachkenntnis geleiteter Umgang der Pädagoginnen und Lehrerinnen trägt zur Beruhigung des Kindes und seiner Interaktion bei. Sein Sicherheitsgefühl und sein Selbstverständnis werden erhöht und die Möglichkeiten der sozialen Teilhabe erweitert. Eine Vermeidung von traumabezogenem Material (Denner 2003) ist in der stationären Jugendhilfe nicht möglich. Traumatisierte Kinder inszenieren ihre Geschichten, sie leiden unter nicht kontrollierbaren Erinnerungen (Flashbacks) und sie übertragen traumatische Bindungserfahrungen. Zusätzlich negiert eine strikte Trennung Betreuen, Erziehen, Beschützen und Begleiten (Weinberg