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eine Rolle gespielt hatten. Janet prägte den Begriff Unterbewusstsein als Ansammlung von Erinnerungen, die die Interaktionen von
Menschen beeinflussen (Janet 1904). Der Vater der Psychoanalyse,
Sigmund Freud, begann hier seine Auseinandersetzung mit der
Hysterie.
4.1
Freuds Entdeckung
Ende des 19. Jahrhunderts stellte Sigmund Freud bei weiblichen
Patientinnen schwerwiegende traumatische Ereignisse, oft sexuelle
Übergriffe in der Familie und Misshandlungen fest. In seinem Bericht über achtzehn Fallstudien Zur Ätiologie der Hysterie schrieb er
1896: „Ich stelle also die Behauptung auf, zugrunde jedes Falles von
Hysterie befinden sich durch die analytische Arbeit reproduzierbar, trotz des Dezennien umfassenden Zeitintervalls ein oder
mehrere Erlebnisse von vorzeitiger sexueller Erfahrung, die der
frühesten Jugend angehören. Ich halte dies für eine wichtige Enthüllung, für die Auffindung eines caput nili der Neuropathologie.“
(Freud GW I, S. 439). Freud wurde damit konfrontiert, dass sexuelle
Gewalt gegen Frauen und Kinder auch in geachteten bürgerlichen
Familien, in denen er in Wien praktizierte, vorkam und eine Ursache
der damals weit verbreiteten Hysterie war. Seine Entdeckung konnte
in einer patriarchalen Gesellschaft keine Anerkennung finden.
Freud hatte mit der Veröffentlichung über sexuelle Gewalt als
Ursache von Hysterie damals die äußersten Grenzen gesellschaftlicher Glaubwürdigkeit überschritten. Das ist wahrscheinlich einer
der Gründe, warum er in den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
(Freud 19041905, GW V) eine reale sexuelle Gewalterfahrung als
Ursache psychischer Leiden verwarf und Konzepte wie die ödipale
Theorie und die Abwehrhysterie entwarf: Die Frauen wünschten
sich die sexuellen Begegnungen. Nicht die Abspaltung der nicht zu
verarbeitenden Erinnerungen, wie Freud noch in seiner Schrift über
die → Ätiologie der Hysterie feststellte, sondern die Verdrängung
inakzeptabler Triebwünsche, die bedrohlich auf das Ich wirken und
die Abwehr gegen das Bewusstwerden dieser Wünsche mobilisieren,
sei der zentrale pathologische Prozess des Traumas; sexuelle