2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/592.md

34 lines
1.9 KiB
Markdown

7.1.3.2Familie C.
7.1.3.2.1 Überweisungskontext
Eine Kollegin des Allgemeinen Sozialdienstes wendet sich an den
SpDi und berichtet von einer türkischen Klientin, die ihrer Meinung
nach psychotisch sei. Der Umgang mit ihr sei sehr schwierig, sie
spreche kaum Deutsch und sei sehr aggressiv. Die türkische
Sozialberaterin habe Kontakt zu ihr, fühle sich aber von der Klientin
sehr bedroht. Wir überlegen im Team, dass die Aufnahme des
Kontaktes zu Frau C. wohl am ehesten über die türkische
Sozialberaterin möglich wäre.
Bei einem Telefonat mit ihr erhalte ich (G. R.) noch weitere
Informationen über Frau C.: Sie ist als 29-jährige Frau aus Anatolien
nach Stuttgart verheiratet worden. In ihrer Heimat war sie bereits
verheiratet gewesen. Diese Ehe scheiterte, worauf sie wieder bei den
Eltern lebte. Aus dieser ersten Ehe gibt es zwei Kinder, die
inzwischen erwachsen sind und in der Türkei leben. Frau C. wurde in
diese Ehe sehr jung verheiratet. Sie hat keine Schulbildung, kann
also weder lesen noch schreiben. Ihr jetziger Mann ist wesentlich
älter als Frau C. Er lebt seit langem in Deutschland. Seine erste Frau
ist früh verstorben und hinterließ ihm vier Kinder. Aus der jetzigen
Ehe gibt es zwei gemeinsame Kinder.
Frau C. war bereits mehrmals mit der Diagnose einer endogenen
Psychose im psychiatrischen Krankenhaus. In akutem Zustand
verhält sie sich aggressiv, klagt über Bauchschmerzen, die durch
Geschwüre im Bauch verursacht seien, bedroht die Sozialarbeiterin
und die ausländische Sozialberaterin mit der Absicht, Geld zu
erhalten. Ihr Ziel ist es, auf diese Weise mit ihren beiden jüngsten
Kindern von ihrem Mann weggehen zu können, weil sie von ihm
geschlagen werde. Frau C. beherrscht, obwohl sie seit 16 Jahren in
Deutschland ist, die deutsche Sprache nur sehr begrenzt.
Wir vereinbaren, dass die türkische Sozialberaterin Frau C. zu
einem gemeinsamen Termin einlädt.