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7.1.2.5Hypothesenbildung Aus den Details der situativen und lebensgeschichtlichen Beschreibung entstehen im Laufe des Austausches im Team eine Vielzahl von Facetten, die langsam zu einem Bild, zu einer leitenden Hypothese zusammenfließen. Die Hypothese hat in diesem Prozess keinen Anspruch auf Objektivität, sie soll nicht die „wahre Lebensgeschichte“ bilanzieren. Im Sinne der von Drees (1997) beschriebenen poetischen Kommunikation, der Arbeit mit freien Fantasien, werden vielmehr die Bilder sichtbar gemacht, die in den teilnehmenden Mitarbeiterinnen auftauchen, während sie der Schilderung der Lebensgeschichte von Frau L. durch die sie betreuende Kollegin folgen. Im Laufe dieses Austausches von Gedanken und Bildern erhält die Geschichte einen inneren Zusammenhang. Während dieser Reflexionsphase hört die fallverantwortliche Mitarbeiterin aufmerksam zu, ohne selbst direkt in den Gedankenaustausch einzugreifen. Sie hat vielmehr die Gelegenheit, wiederum ihre eigenen Bilder und Assoziationen zu erspüren, die in ihr während des aktiven Zuhörens entstehen. Im Anschluss an diese Phase kann sie ihre eigenen Gedanken und Assoziationen in der Runde äußern. Frau L. hat sich in einer von existenziellen Bedrohungen durchzogenen Lebensgeschichte immer wieder in besonderer Weise auf Halt gebende familiäre Beziehungen gestützt. Gleichzeitig waren diese familiären Beziehungen immer wieder von Umbrüchen gekennzeichnet, wonach sie plötzlich für andere Verantwortung übernehmen musste, zunächst für die Mutter, die zur ihr zog, dann für den pflegebedürftigen Ehemann und schließlich, auf sich alleine gestellt, für sich selbst. Ihre in der Nähe wohnende Schwester grenzte sich immer wieder gegen die emotionale Bedürftigkeit von Frau L. ab. An die Stelle der Wahrnehmung immer wiederkehrender unverständlicher und scheinbar unbeeinflussbarer Krankheitsepisoden trat das Bild einer Frau, die mit bestimmten erlernten Deutungs- und Bewältigungsmustern gefordert war, sich in