2026-001/documents/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/570.md

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7.1.2.2Die Ausgangssituation
Die 68-jährige Frau L. wird seit etwa drei Jahren vom SpDi betreut.
Nach einem Suizidversuch kam sie in stationäre psychiatrische
Behandlung. Vor ihrer Entlassung vermittelte die Sozialarbeiterin der
Klinik den Kontakt zum SpDi mit dem Ziel, die nachstationäre
Betreuung und Beratung sicherzustellen. In der Folgezeit entwickelte
sich eine kontinuierliche Betreuungsbeziehung, die aber zunächst
keinen Einfluss hatte auf die extremen Schwankungen ihrer
psychischen Befindlichkeit.
Frau L. war zeitweilig sehr aktiv; wenn sie aktiv war, war sie gut
in der Lage, ihren häuslichen Alltag zu organisieren und soziale
Kontakte zu knüpfen.
Dann geriet sie wieder in schwere psychische Krisen, zerstritt sich
mit den ihr nahe stehenden Menschen, brach Beziehungen ab und
betrieb
in
wachsendem
Maße
Alkoholund
Medikamentenmissbrauch.
In diesen Phasen vernachlässigte sie ihr Äußeres und ihre
Ernährung und wurde wiederholt stationär behandlungsbedürftig.
Die Klinikeinweisungen wurden zum Teil von ihrem zuständigen
Nervenarzt in akuten Notfallsituationen aufgrund von akuter
Selbstgefährdung vollzogen, ohne dass Frau L. aktiv ihre Einwilligung
gab. Etwa fünf Monate vor der Praxisreflexionssitzung wurde im
Rahmen einer solchen Krisenintervention die Mitarbeiterin unseres
neu entstandenen Pflegedienstes in die Betreuung einbezogen. Sie
besuchte Frau L. in der Folge täglich, sorgte für die kontinuierliche
Begleitung
und
Beziehungspflege
in
schwankenden
Gefühlszuständen. Sie teilte ihr auf Anordnung ihres Psychiaters die
Medikamente ein und bot ihr Unterstützung in alltagspraktischen
Dingen an. In den Wochen vor der Praxisreflexionssitzung
begleiteten die Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes Frau L. einmal
wöchentlich in den Tagestreff des SpDi. Sie begann mit
anfänglicher Skepsis gegenüber den stark beeinträchtigten
Besucherinnen dieses Angebots , Kontakte zu knüpfen und
Verbindlichkeiten einzugehen. Frau L. äußerte wiederholt ihre