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Der Blick der Forschung
So wäre denkbar, dass hinter den vereinzelten getöteten und ausgesetzten Neugeborenen unter anderem verzweifelte Frauen stecken, die sich nicht in der Lage sehen, ihr durch eine Vergewaltigung gezeugtes Kind anzunehmen. Eine bewusste Entscheidung für die Fortsetzung der Schwangerschaft ergibt sich aus der Identifikation mit dem Ungeborenen oder der bewussten Übernahme der normativ vorgegebenen Mutterrolle. Im Vordergrund steht nicht mehr der Vergewaltiger, sondern das Kind, welches ‚anklopft‘ und an seine eigenständige Existenz erinnert. Die Mutter verbindet sich in ihrer Vorstellung mit dem Kind gegen den Täter, um das gemeinsame Überleben zu sichern. Unterschiede in der Auseinandersetzung mit der Schwangerschaft setzen sich in der Mutter-Kind-Beziehung fort. Entscheidend ist, ob das Kind als eigenständige Persönlichkeit, als Kind der Frau oder als Kind einer Vergewaltigung und des Täters gesehen wird. Die ungelösten Konflikte können die Beziehung zum Kind nach der Geburt weiterhin belasten. Unter Umständen fällt es der Mutter schwer, das Kind anzunehmen und zu lieben oder ihrem Kind, vor allem, wenn es ein Sohn ist, aus Angst vor den eigenen Aggressionen, Grenzen zu setzen. Zwei der Interviewpartnerinnen, die eine Ähnlichkeit zwischen den schon jugendlichen Söhnen und dem Gewalttäter wahrnahmen, sahen eine - bisher nicht realisierte Lösung - in einer Trennung vom Kind. Zum Teil suchen die Mütter professionelle Beratung. Werden die Hintergründe der problematischen Mutter-Kind-Beziehung nicht aufgedeckt, läuft diese Unterstützung ins Leere (Heynen 2002).
Schlussfolgerungen Voraussetzung für professionelle Hilfe während aller Phasen der Mutter-KindBeziehung ist eine Qualifizierung aller relevanten Berufsgruppen, insbesondere im psychosozialen und medizinischen Bereich. Dazu gehören Informationen über die Realität sexualisierter Gewalt im Kontext von Gewalt in Paarbeziehungen und über die Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung. Für Vergewaltigungsopfer, die zur Schwangerschaft gezwungen werden, muss die Möglichkeit geschaffen werden, ihr Schweigen zu brechen, ohne dass sie mit moralischen Erwartungen konfrontiert werden, die sich primär an einem Lebensrecht des Ungeborenen orientieren. Hilfreich wäre es, wenn im Rahmen von Schwangerschaftskonfliktberatung, Geburtsvorbereitung und Geburt, aber auch in der Elternbildung und –beratung sensibel nach sexualisierten Gewalterlebnissen gefragt würde und entsprechende Informationsbroschüren über Rechte, Hilfsangebote und Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt sowie über Fachberatungsstellen zu sexualisierter Gewalt zur Verfügung ständen. In der Geburtsvorbereitung und während der Geburt sollte berücksichtigt werden, dass Veränderungen des Körpers und Interventionen seitens der