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Partnergewalt und Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung

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Dies ist unter anderem deshalb bemerkenswert, weil in unserer Gesellschaft bei der Alkoholabhängigkeit eines Elternteils Maßnahmen der Jugendhilfe oder des Familiengerichtes zum Schutz betroffener Kinder regelhaft als gerechtfertigt angesehen werden (z.B. Harnach-Beck, 1995), während dies bei Kindern, die Partnergewalt miterleben müssen, nicht mit gleicher Regelmäßigkeit der Fall ist. Die praktische Bedeutsamkeit dieser Befunde tritt noch einmal auf andere Weise hervor, wenn die Anzahl derjenigen Kinder gesondert betrachtet wird, bei denen aufgrund von Anzahl und Intensität der Verhaltensauffälligkeiten eine klinisch relevante, behandlungsbedürftige Störung vermutet werden muss. Im Mittel der hierzu vorliegenden Studien trugen von Partnergewalt betroffene Kinder gegenüber Kontrollgruppen ein fast fünffach erhöhtes Risiko behandlungsbedürftiger Auffälligkeiten (Kindler 2002). Je nachdem, wo die Grenze zur Behandlungsbedürftigkeit gezogen wurde, musste für ein Drittel bis Dreiviertel der von Partnergewalt betroffenen Kinder eine kinderpsychologische Behandlung empfohlen werden. In einer Reihe von Untersuchungen wurde danach gefragt, ob Jungen oder Mädchen stärker belastet auf ein Miterleben von Partnergewalt reagieren. Nach gegenwärtigem Wissensstand lässt sich diese Frage dahingehend beantworten, dass auf der Ebene globaler Verhaltensauffälligkeit Jungen und Mädchen ähnlich belastet zu reagieren scheinen (Kitzman et al. 2003). Dabei überwiegen auch bei Jungen internalisierende Auffälligkeiten, während eine erhöhte Unruhe oder Aggressivität auch bei Mädchen auftreten kann. Neben dieser grundlegenden Geschlechterähnlichkeit gibt es allerdings auch einige Hinweise auf mögliche spezifische Geschlechtsunterschiede. So neigten in einer Untersuchung etwa besonders Mädchen dazu sich für die Gewalt (mit-)verantwortlich zu fühlen, während Jungen den Bedrohungsaspekt der Gewalt intensiver zu erleben schienen (Kerig 1998). Weiterhin scheinen Mädchen externalisierende Auffälligkeiten stärker im sozialen Nahfeld zu zeigen, während bei Jungen die Gefahr einer Chronifizierung externalisierender Auffälligkeiten höher ist. Insgesamt fehlen aber noch gute Studien zu geschlechtsbezogenen Aspekten des Umgangs von Kindern mit der Belastung durch Partnergewalt. Die bezüglich des Umgangs mit anderen möglichen Belastungen im Leben von Kindern mittlerweile erreichten Fortschritte in der Forschung könnten hier anregend wirken (z.B. Zahn-Waxler 1993, Ehrensaft 2005). Belastungen kindlicher Entwicklung lassen sich aber nicht auf Verhaltensauffälligkeiten reduzieren. Vielmehr müssen auch Prozesse bedacht werden, die die Entwicklung von Kindern kumulativ und langfristig erheblich beeinträchtigen können, dabei aber (zumindest zunächst) unterhalb der Schwelle zur klinisch bedeutsamen Verhaltensauffälligkeit bleiben. So ist es etwa möglich, dass Gewalterfahrungen Kinder auf „Risikopfaden“ (vgl. z.B. Rutter 1995) platzieren, die mit größerer Wahrscheinlichkeit in ungünstigen Entwicklungsergebnissen resultieren. Im Hinblick auf miterlebte Partnergewalt befinden sich vor allem zwei Risikopfade in der Diskussion. Zum einen