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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 70 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Cornelia Jager
4.2.4 Vorstellung der Familie und des Problems
Die zuständige Sozialarbeiterin stellt die Familiensituation und die
Problembeschreibung anhand des Genogramms am Flipchart vor. Sie
erläutert die Beziehungen und unterschiedlichen Sichtweisen aller
Beteiligten. Anschließend fasst sie zusammen, was in den vorhergehenden Beratungsgesprächen mit der Familie an Ideen und Vorstellungen erarbeitet wurde. Dann formuliert sie die Frage, die sie an
das Team stellen möchte. Danach beantwortet sie mit der Familie zusammen eventuell auftretende Informationsfragen aus dem Team
und nimmt dann ihren Platz im Reflektierenden Team ein.
4.2.5 Erste Beratungssequenz
Nun beginnt eine von insgesamt drei Sequenzen, in denen nur die
Beraterin mit den Betroffenen spricht. Sie soll, gerade in der ersten
Sequenz, kein Ergebnis mit ihnen erzielen. Ziel der ersten Sequenz ist
es vielmehr, dass alle Anwesenden einen Einblick in die gegenwärtige
Familiensituation und die Verhaltensweisen der Betroffenen gewinnen.
Die Beraterin versucht über Fragen, Informationen zu erzeugen
und jedem Familienmitglied und eventuell anderen Beteiligten die
Möglichkeit zu geben, gehört zu werden und/oder zuzuhören. Die Familienmitglieder bestimmen, worüber gesprochen wird. Sie haben ein
Recht, nicht über alles zu sprechen, was sie denken und fühlen. Da das
zu Ungewöhnliche die Integrität einer Person bedrohen kann, müssen
die Familienmitglieder ständig die Möglichkeit haben, »Nein« zu sagen zur Form der Unterhaltung, zu ihrem Inhalt und zu ihrem Kontext (Andersen 1990).
4.2.6 Erste Reflexionsphase des Teams
Nach ca. 20 Minuten beendet die Beraterin die erste Beratungssequenz, und die strukturierende Kollegin leitet das Reflektierende
Team ein. Die Betroffenen haben nun Gelegenheit, dem Gespräch der
Sozialarbeiterinnen zuzuhören. Das Reflektierende Team ist zum einen durch die Sitzordnung (die Betroffenen und die Beraterin sitzen
ihm gegenüber), zum anderen durch die Beobachtungsfunktion bei
der Beratung eindeutig vom Beratungssystem abgegrenzt. Die Leitidee ist folgende: Unterschiedliche Positionen begünstigen unterschiedliche Perspektiven, diese wiederum unterschiedliche Betrachtungsweisen, die dann unterschiedlichen Beschreibungen ermögli70