2.1 KiB
292
und persönlichem Wachstum. Die Psychoanalytikerin Magarete Mitscherlich spricht von Lebendigkeit: „Lebendig bleiben nur solche Menschen, die die Lust an neuen Erkenntnissen auch über sich selber höher bewerten als die Anerkennung von außen.“ (Mitscherlich 2010, S. 26). Die reflexive Kompetenz in der Arbeit bezieht sich auf die Einwirkungen der biografischen, der institutionellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten auf das pädagogische Handeln. Um subjektive Wahrnehmungen und emotionale Verzerrungen z. B. aufgrund eigener Übertragungen zu minimieren, ist die Bewusstheit um die eigene Lebens- und Lerngeschichte Bedingung. Alle Menschen bringen Menschen gegenüber positive oder negative Gefühlseinstellungen mit. Diese werden durch frühe prägende Erfahrungen mitbestimmt. In der Kindheit bilden wir Grundeinstellungen und Werte. Um ein Überstülpen dieser Werte und ein ungeprüftes Verharren von Grundeinstellungen zu minimieren, ist eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheitsgeschichte hilfreich. Dies gilt auch für das Beziehungsangebot. Da die Mädchen und Jungen der Beziehung einen hohen Wert zumessen, besteht die Verantwortung, eigene Bindungsmuster bewusst wahrzunehmen, die Bindungsmuster gegenüber den Kindern und Jugendlichen und die Brechungen der ‚Beziehungsarbeit‘ in den Erziehungshilfen zu überprüfen. Die Reflexion der eigenen Normen in Bezug auf Familie, Sexualität, Beziehung erhöht die Handlungsfähigkeit durch zusätzliche Klarheit. Dazu gehört das bewusste Umgehen mit dem eigenen Geschlechterbild. Die Beschäftigung mit Sexualität, die erneute Auseinandersetzung mit sexuellen Fragen ist unumgänglich, da die Mädchen und Jungen die Pädagog*innen unweigerlich mit diesem Thema konfrontieren. Vor vielen Jahren neigte die Mehrzahl der Bezugspersonen dazu, dieses Thema zu meiden (Conen 1997), ob das heute besser ist? Die Reflexion der eigenen Erwachsenensexualität und der persönlichen Haltung zu den Fragen sexueller Gewalt sind nötig. So kann z. B. hinter manchmal anzutreffenden bagatellisierenden Handlungsstrategien und Einstellungen insbesondere gegenüber Frauen als Täterinnen und jugendlichen