2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/366.md

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366
Diese Wut, die mich immer wieder einholt
manentes Durcheinander anwesend; eine Verstrickung, ein Dickicht, das den
Blick verschleiert und auch bei den Pädagog*innen das Denken einschränkt und
zum Tunnelblick führt.
Die traumatischen Übertragungen der Kinder und Jugendlichen spürt die pädagogische Fachkraft im Einzelkontakt. In einigen Fällen macht sich die Dynamik
ebenfalls auf der Teamebene bemerkbar (Herman 2006; Weiß 2024). Übertragungsdynamiken können ganze Teams blockieren und in Handlungsunfähigkeit bringen.
Kommen dazu noch strukturelle Unsicherheiten (beispielsweise fehlende Supervision, Unterbesetzung etc.) können sich konflikthafte Übertragungsdynamiken und
Gegenreaktionen manifestieren. Kinder, deren Eltern liebevolle, aber auch vernachlässigende oder gewaltvolle Anteile zeigten, übertragen diese auf unterschiedliche
Pädagog*innen im Team. Die Pädagog*innen werden aufgeteilt in Gute und Böse.
Der Kontakt gestaltet sich unter dem Einfluss traumatischer Dynamiken von Dissoziation, Übererregung und Erstarrung; nicht immer sind die Pädagog*innen mit
gleichen, kohärenten Verhaltensweisen eines Kindes konfrontiert (Weiß 2024).
Menschen, die in ihren Bindungserfahrungen viel Hilflosigkeit und Ohnmacht erlebt haben, sehnen sich nach einer Person, die sie retten (Hermann 2006). Die Rolle
der rettenden Person ist sehr verführerisch. Da diese Rolle am ehesten mit dem
pädagogischen Selbstbild vereinbar ist, kann sich die pädagogische Fachkraft in dieser Rolle als selbstwirksam erleben (Lang, B. 2013; Weiß 2013a). Verharrt eine Pä­
dagog*in in der Rolle rettenden Person, verschwimmt häufig der Blick für weitere
Anteile des Kindes, die andere Pädagog*innen im Kontakt zu spüren bekommen.
Dies kann unter Umständen dazu führen, dass sich Konflikte und Krisen auf Team­
ebene fortsetzen. Sich über gegenseitiges Werten der pädagogischen Fähigkeiten (ist
unfähig, Konflikte auszutragen; muss konsequenter sein; kann keine Grenzen setzen und hält sich nicht an die vereinbarten Regeln) aufspaltet (Weiß 2024).
Die Gegenreaktion
Das Spüren der eigenen Gegenreaktionen und derer im Team ist eine der wichtigsten Komponenten, um sich als Pädagog*in vor der verstrickenden Dynamik zu
schützen. Sinneswahrnehmungen, Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken und
Handlungsimpulse bilden die Gegenreaktion ab, ihre Versorgung ist eine Grundlage, um aus der Gegenreaktion zu treten und reflexiv handlungswirksam zu werden. Das »mutige und achtsame Wahrnehmen und Benennen« (Lang, B. 2013,
S. 138) der Gegenreaktion macht erfahrbar, was Pädagog*innen im Kontakt mit
den Kindern und Jugendlichen empfinden. Die Reflexion der Gegenreaktion kann
Hinweise darauf geben, wie die Kinder und Jugendlichen sich fühlen und empfinden oder wie machtvoll Gewalt und Druck auf sie ausgeübt wurden.