Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
49 lines
3.2 KiB
Markdown
49 lines
3.2 KiB
Markdown
Hilfe zugestehen oder verweigern und die Fallproblematik in einer Weise
|
||
fassen können, die von den Klienten abgelehnt werden kann und deshalb
|
||
doch nicht verworfen werden muss, sondern im Rahmen der Organisation
|
||
durch Entscheidung abgesichert werden kann« (2000:220). Auch viele
|
||
andere Autorinnen analysieren professionelles Handeln als eine Form der
|
||
Machtausübung (vgl. z. B. Heiner 2004b, Bang 1964 – anders hingegen
|
||
Oevermann 2011 sowie Becker-Lenz/Müller 2009, die eine symmetrischen
|
||
Sozialbeziehung postulieren). Gemeinsam ist den Diskussionen um Macht in
|
||
der Sozialen Arbeit die überwiegende Anerkennung einer strukturellen
|
||
Asymmetrie innerhalb der helfenden Beziehung sowie die
|
||
Auseinandersetzung darüber, ob und wie diese Asymmetrie gegebenenfalls
|
||
aufzuheben sei (vgl. Gängler 2011:615).
|
||
Subjektive Wirklichkeitskonstruktion
|
||
Ein wesentliches Moment um die Asymmetrie zu reduzieren besteht darin,
|
||
dass Professionelle davon ausgehen und anerkennen, dass ihre eigene
|
||
Sichtweise auf einen Fall, auf eine Situation kaum mit derjenigen der
|
||
Klientin übereinstimmen wird – oder allgemeiner formuliert: Wenn sie
|
||
anerkennen, dass es keine neutrale Situationsbeschreibung gibt, sondern
|
||
Wirklichkeit immer subjektiv konstruiert ist. Was Menschen bei der
|
||
Aufgabe ihrer Alltagsgestaltung als gelingend und was sie als problematisch
|
||
empfinden, das ist das Ergebnis ihrer individuellen Sicht der Wirklichkeit;
|
||
die Sozialarbeiterin wird als außenstehende Beobachterin vielleicht eine
|
||
andere Wahrnehmung, Beschreibung und Erklärung der Situation haben.
|
||
Grundsätzlich müssen die Sichtweisen unterschiedlicher Beteiligter in ihrer
|
||
Andersartigkeit als gleichwertig anerkannt werden (vgl. von Spiegel
|
||
2013:255). Dazu gehört, dass Professionelle einerseits versuchen, die
|
||
Perspektive der Klienten zu erfragen und zu erfassen und sie vor dem
|
||
Hintergrund ihres subjektiven Bedeutungskontextes zu rekonstruieren, und
|
||
dass sie andererseits ihre eigene Sichtweise als ebenfalls subjektive
|
||
Wirklichkeitskonstruktion erkennen und diese transparent in den
|
||
Aushandlungsprozess mit Klienten einbringen (vgl. von Spiegel 2013:29).
|
||
Das Strukturmerkmal Koproduktion macht deutlich, dass eine
|
||
Dienstleistung in der Sozialen Arbeit ohne Zutun des Klienten nicht
|
||
zustande kommen kann, dass diese Leistung unabdingbar eine durch
|
||
Sozialarbeiterin und Klient gemeinsam produzierte Leistung ist. Dies
|
||
verweist auf die Notwendigkeit von Kooperation: Professionelles Handeln
|
||
zeichnet sich aus durch gemeinsames Handeln von Sozialpädagoge und
|
||
Klientin, durch die Ausrichtung auf ein gemeinsam ausgehandeltes Ziel.
|
||
Deshalb gehört der Wille zur Kooperation mit Klienten unabdingbar zum
|
||
professionellen Selbstverständnis. Da die Kooperationsbereitschaft jedoch
|
||
auf Seiten der Klienten nicht in jedem Praxisfeld vorausgesetzt werden
|
||
kann, müssen Professionelle der Sozialen Arbeit willens und in der Lage
|
||
sein, um diese Kooperationsbereitschaft zu werben und sie zu ermöglichen.
|
||
Ein dialogischer Verständigungs- und Aushandlungsprozess ist nur auf
|
||
der Basis einer gelingenden Beziehung zwischen Sozialpädagogin und
|
||
Klient unter den strukturellen Bedingungen von Asymmetrie möglich. Wie
|
||
diese Arbeitsbeziehung theoretisch konzipiert wird, soll deshalb in einem
|
||
gesonderten Kapitel dargelegt werden ( Kap. 5.1).
|