2026-001/documents/praxis/pages/054.md
KPG Mentor 0cec1b5740 feat: extract individual page markdown files from PDFs
Generated pages/ subfolders for all documents:
- arbeit: 386 pages
- praxis: 297 pages
- EPG: 11 pages

Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer.
Extracted using pdftotext.
2026-03-05 11:13:56 +00:00

38 lines
3.1 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

Hochuli Freund
31.7.17 S. 54
Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
2
In Sekundenschnelle handlungsfähig werden
dank intelligenter Vermutungen (Gigerenzer)
In einer Zeit, die geprägt ist von Krisen unterschiedlichster Art und grosser Ungewissheit, gelten Risikokalkulationen als das Mittel der Wahl, um angesichts
komplexer Probleme begründete Entscheidungen treffen zu können, konstatiert
Gerd Gigerenzer, mit Blick insbesondere auf Medizin und Bankenwesen. Dies
führe häufig zu defensivem Entscheiden, zu mehr Regeln und Gesetzen, zu grösserer Bürokratie (vgl. Gigerenzer 2014:11, 61). Er plädiert demgegenüber für
einfache Lösungen und unterscheidet zwischen Risiko und Ungewissheit. Risiken seien auf Vergangenheit bezogen, es handle sich um bekannte Gefahren,
deren Einfluss und Wahrscheinlichkeit mit Hilfe von Statistik berechnet und zu
komplexen Risikomodellen verdichtet würden, die dann als Basis für Entscheidungen dienen können. Auf die Zukunft bezogen hingegen herrsche Ungewissheit, manche Risiken seien unbekannt; Wahrscheinlichkeitsberechnungen würden hier zu kurz greifen, gute Entscheidungen verlangten vielmehr nach
Intuition und klugen Faustregeln. Auch bräuchten komplexe Probleme nicht
per se komplexe Lösungen, vielmehr gelte es zunächst, nach einfachen Lösungen zu suchen (vgl. ebd.:38f., 59).
Eine heuristische Strategie ist die Suche nach einer möglichst einfachen Lösung für ein komplexes Problem (vgl. ebd.: 47, 380). In einem Forschungsprogramm über simple heuristics oder fast-and-frugal-heuristics (also: einfache,
schnelle, sparsame Lösungsfindung) hat eine Gruppe um Gigerenzer diesen Zugang seit den 1990er Jahren empirisch fundiert (vgl. Gigerenzer et al. 2011:
xvii). Die Forschungsgruppe geht davon aus, dass das kognitive System eines
Menschen auf einer adaptive toolbox, einem anpassungsfähigen Werkzeugkasten beruht (Gigerenzer/Brighton 2011:2). Dieser Werkzeugkasten enthält
verschiedene einfache Entscheidungsfindungsstrategien Heuristiken, Faustregeln , mit denen schnelle Lösungen gefunden werden können. »Eine Faustregel
oder Heuristik ermöglicht uns, eine Entscheidung schnell zu treffen, ohne viel
Informationssuche und doch mit einem hohen Mass an Genauigkeit« (ebd.:44).
Faustregeln basieren auf intelligenten Vermutungen, unbewussten Schlussfolgerungen, intelligenten Schätzungen (vgl. ebd.:64). Faustregeln können sowohl bewusst als auch unbewusst verwendet werden. Letzteres bezeichnet Gigerenzer als intuitives Urteilen und definiert:
»Eine Intuition oder ein Bauchgefühl ist ein Urteil, das 1. unvermittelt im Bewusstsein
auftaucht, 2. dessen tiefere Gründe uns nicht ganz bewusst sind, 3. das stark genug ist,
um danach zu handeln.« (Ebd.:46)
Es handle sich um eine Form unbewusster Intelligenz: »Ein Bauchgefühl zu haben heisst, dass man spürt, was man tun sollte, ohne erklären zu können, warum« (ebd.:143).
Ein wesentlicher Aspekt einer heuristischen Strategie ist die Fokussierung auf
ausgewählte Aspekte und die Ausblendung alle anderen Informationen. Dies
führe zu besseren, schnelleren und sichereren Entscheidungen (vgl. Gigerenzer
54