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Psychodramatische Gruppentherapie für Mädchen und Jungen
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Gegenständen zu werfen, zu kämpfen etc.). Dadurch erhält sie eine Form der
Beherrschung. Auf diese Spielregeln haben wir auch während des Spiels immer wieder hingewiesen. Die Kinder durften ihre aggressive Seite zeigen und
ausleben, lernten dabei aber, sie zu steuern und zu kontrollieren. Verdrängte
unterdrückte Aggression bricht ungesteuert hervor. Diese Wut steuern zu lernen und die Affekte kontrollieren zu können ist für Kinder eine eminent förderliche und heilsame Erfahrung. Sie lernen im Spiel, motorisch kontrolliert
zu handeln. Dadurch, dass Marco z.B. in der Rolle des Tigers seine ganze Aggression zum Ausdruck bringen konnte und gleichzeitig sein Ich in der Lage
war, seinen Affekt so weit zu kontrollieren, dass er niemandem wehgetan hat,
ist ihm etwas gelungen, was sein Vater zuhause nicht geschafft hat.
In der Reflexionsphase nach dem Spiel wurde von uns Therapeuten diese
Fähigkeit der Steuerung und Kontrolle der kindlichen Affekte durch besondere Anerkennung bestätigt.
Ich-Stärkung und Stabilisierung
Die Integrative Therapie nach Petzold umschreibt mit den „Fünf Säulen der
Identität“ fünf Lebensbereiche, in denen Kinder und Jugendliche ihre Identität entwickeln: Leiblichkeit (wie fühle ich mich als Mädchen/als Junge, bin
ich schön oder hässlich?), soziales Netzwerk (welche Kontakte habe ich in
meiner Familie, zu meinen Freunden?), Leistung (was kann ich?), materielle
Sicherheit (was gehört mir?, wie lebe ich?), Werte (wie will ich sein, woran
glaube ich?).
Ziel ist die Stärkung und Stabilisierung der Identitätsentwicklung und
der Ich-Strukturen, also der Förderung und Stärkung von Fähigkeiten wie
Bewusstsein der eigenen Identität, Körperbewusstsein, Kontakt- und Abgrenzungsfähigkeit, Fähigkeit zwischen Phantasie und Wirklichkeit zu unterscheiden, bewusstes und differenziertes Wahrnehmen der Umwelt und
der eigenen Befindlichkeit, Wahrnehmung von Gefühlen, ausreichendes Rollenrepertoire, Entwicklung von Handlungsstrategien, realistische Selbsteinschätzung, soziale Kompetenzen (vgl. Rahm 1993).
Für Kinder stellt sich immer wieder die Frage, in welchen Bereichen der
Identitätsentwicklung sie sich sicher und stabil erleben, in welchen als brüchig, unsicher, bedroht. Kinder, die zuhause massive Gewalt miterlebt haben,
erfahren eine starke Verunsicherung. Sie verlieren nicht nur Halt und Orientierung durch die Angst und den Schrecken, die sie erlebt haben. Sie verstehen
oft auch nicht, was hinter dem Streit, hinter der Gewalt steckt. Sie fragen sich,
ob sie selbst Schuld am Streit der Eltern sind, und fühlen sich ohnmächtig,
weil sie die Eskalation nicht verhindern konnten. Ihr Selbstwertgefühl und
ihre Selbstsicherheit sind stark beeinträchtigt und ihr Glaube in die Welt ist
erschüttert.