2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/294.md

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6 Unterstützungs- und Begegnungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten
Die Ergebnisse zeigten positive Wirkungen: Das Projekt wurde insgesamt von allen
Beteiligten sehr gut angenommen. Von den pädagogischen Fachkräften in den Kitas
und den Eltern wurden positive Entwicklungen bei den Kindern festgestellt. Dies
zeigte sich anhand der Protokolle, aber auch der Befragung (halbstandardisierte
Interviews) von Erziehern und Eltern. Mit dem eingesetzten standardisierten Verhaltensbeobachtungsinstrument VBV konnten keine signifikanten Veränderungen
im Vergleich zur Kontrollgruppe nachgewiesen werden. Dies kann damit erklärt
werden, dass der VBV den Blick auf auffälliges/problematisches Verhalten richtet
und nicht die Ressourcen der Kinder abbildet, somit also möglicherweise ein weniger geeignetes Messinstrument für diese Untersuchung ist.
Die Ergebnisse der standardisierten Testverfahren weisen darauf hin, dass sich der
Selbstwert der Kinder in der Durchführungsgruppe im Vergleich zum Ausgangszeitpunkt und zur Kontrollgruppe signifikant verbessert hat. Die kognitive Entwicklung gemessen über den standardisierten Test WET veränderte sich ebenfalls
positiv bei den Kindern der Durchführungsgruppe gegenüber Ausgangszeitpunkt
und Kontrollgruppe (signifikante Wechselwirkungen in 4 der 6 Untertests).
Besonders erstaunlich, weil in dieser Weise nicht erwartet, sind die signifikant
positiven Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung der Kinder. Die spezifische
kognitive Förderung war nicht primäres Ziel im Projekt. Andererseits scheinen sich
hier indirekte Effekte einzustellen: Die Kinder können durch eine verbesserte
Selbststeuerung, durch eine erhöhte Selbstsicherheit, aber auch durch verbesserte
Problemlösungsfähigkeiten die angebotenen Inhalte in den Kindertageseinrichtungen aufnehmen. Möglicherweise führt auch ein reflektierteres Verhalten der
Eltern dazu, dass die Kinder adäquater in ihren Entwicklungsprozessen unterstützt
werden. Insgesamt kann das Programm sofern sich die Effekte stabilisieren auch
zu einer verbesserten Chancengerechtigkeit führen.
Dieser multimodale Ansatz zur Förderung der Resilienz bzw. Lebenskompetenz
wurde in einer weiteren Studie bundesweit in ausgewählten Kindertageseinrichtungen in Quartieren mit besonderen Problemlagen umgesetzt und evaluiert; dabei
ließen sich die Ergebnisse replizieren. Allerdings mussten Zugangswege und Kursinhalte für Kinder und Eltern an die Zielgruppen adaptiert werden. So mussten
bspw. sprachgebundene Anteile vereinfacht oder an die Muttersprachen und -kulturen der Kinder und Familien angepasst werden (vgl. zu diesem Projekt: FröhlichGildhoff, Beuter, Fischer, Lindenberg & Rönnau-Böse 2011; Fröhlich-Gildhoff &
Rönnau-Böse 2012b).
Das Grundkonzept des Vorgehens wurde in einem weiteren Projekt erfolgreich,
mit positiven Evaluationsergebnissen, in Grundschulen umgesetzt (»Prävention und
Resilienzförderung in Grundschulen«, PRiGS: Fröhlich-Gildhoff, Becker & Fischer
2012; Evaluationsergebnisse: Fröhlich-Gildhoff et al. 2014). Weitere bewährte und
gut evaluierte Programme zur allgemeinen Entwicklungsförderung sind:
• Fit und stark fürs Leben (Burow et al. 1998, 1999, Ahrens et al. 2002)
• Stress-Bewältigungsprogramm im Kindesalter (Klein-Heßling & Lohhaus 2000)
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