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6 Unterstützungs- und Begegnungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten
Transparenz
Es ist wichtig und in der Psychotherapie gerade mit Jugendlichen unabdingbar
jegliche Gespräche mit Eltern und Außenstehenden mit den Kindern/Jugendlichen
im Vorhinein zu besprechen und ihnen gegenüber die Schweigepflicht zuzusichern.
»Häufig haben Jugendliche gerade zu Behandlungsbeginn und wenn die Eltern eine
Behandlung anregten oder gar forderten, starkes Misstrauen gegenüber der Therapeutin und Sorge, dass sie mit den Eltern koalieren könnte« (Monden-Engelhardt
1997, S. 47). Ebenso wichtig ist es, die Gespräche im Einzelkontakt mit dem Kind/
Jugendlichen dann nachzubereiten.
Setting
Die zentrale Frage bei der Betrachtung des Settings ist: Soll die Zusammenarbeit mit
den Bezugspersonen mit oder ohne den Jugendlichen bzw. das Kind gestaltet werden?
Diese Frage muss sehr in Abhängigkeit von der je konkreten Familiensituation,
-konstellation und -problematik beantwortet werden: Bei Kindern bis zum Alter von
ca. acht bis zehn Jahren ist es oftmals sinnvoller, die begleitenden Elterngespräche
vom Prozess der Einzeltherapie oder pädagogischen Arbeit zu trennen ohne den
Grundsatz der Transparenz dabei zu vernachlässigen. Lenz (1999, 2001) hat in einer
empirischen Untersuchung von Kindern und Jugendlichen, die an einer Erziehungsberatung teilgenommen haben, herausgefunden, dass Kinder und Jugendliche die gemeinsamen Gespräche mit der gesamten Familie bzw. den Eltern als wenig
hilfreich empfunden haben. »Insgesamt überwiegen bei den Kindern eindeutig die
negativen oder ambivalenten Bewertungen des Familiensettings. So äußerten sich
78 % der Befragten skeptisch, vorsichtig bis offen ablehnend zu gemeinsamen Gesprächen mit den Eltern, einem Elternteil oder mit der ganzen Familie in der Beratungsstelle« (Lenz 1999, S. 77).
Bei der Arbeit mit älteren Kindern und besonders Jugendlichen ist es ungünstig,
Elterngespräche ohne die Jugendlichen zu führen. Es besteht die große Gefahr, dass
die Jugendlichen das Gefühl haben, die Erwachsenen verbünden sich hinter ihrem
Rücken; die Enttäuschung führt dann in vielen Fällen zum Therapieabbruch. Wenn
Eltern sehr unter der angespannten Familiensituation und/oder der Symptomatik
des Jugendlichen leiden, dieser aber nicht bereit ist, an den Elterngesprächen teilzunehmen, so ist es günstiger, die Eltern an einen anderen Therapeuten zu verweisen
damit sie sich mit ihrer Situation und ihren Belastungen auseinandersetzen
können.
In der schon angeführten Studie von Lenz (1999) zeigte sich ebenfalls, dass insbesondere Jugendliche eine mangelnde Partizipation in den Gesprächen und »eine
zu geringe Berücksichtigung ihrer persönlichen Grenzen und Akzeptanz ihrer Autonomie beklagten« (ebd., S. 77). Dieser Befund weist darauf hin, dass es möglicherweise von vornherein günstig ist, die Jugendlichentherapie und die Bezugspersonengespräche von unterschiedlichen Therapeuten gestalten zu lassen.
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