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6.5 Der Blick über das Individuum hinaus
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• Wertschätzung und grundsätzliche Akzeptanz der Familie und aller einzelnen Mitglieder: Dies bedeutet, der Therapeut muss die Familie, das System, zunächst so
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annehmen, wie es ist; dabei muss Akzeptieren nicht immer Zustimmung bedeuten, es bedeutet aber immer wieder die Verpflichtung, die Ängste, Bedürftigkeiten und Kränkungen, also die Nöte, die hinter provozierendem, rigidem,
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etc. Verhalten bestehen, zu verstehen.
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• Allparteilichkeit: Dieses grundlegende systemische Prinzip (vgl. von Schlippe &
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Schweitzer 2003, Pfeifer-Schaupp 2002) bedeutet, dass systematisch alle einzelnen
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beteiligten Familienmitglieder Raum erhalten müssen, um sich zeigen und »inszenieren« zu können; hierfür hat der Therapeut Sorge zu tragen.
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• Kongruenz und Selbstachtung als Therapeut: Insbesondere jüngere bzw. weniger
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erfahrene Kindertherapeuten fühlen im Kontakt mit den Eltern ihres Therapiekindes häufig ihr eigenes Selbstkonzept und ihr Selbstwertgefühl bedroht (s. o.).
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Sie erleben dies in Form von Unsicherheit, Ängsten, Zweifeln oder auch Ärger
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(vgl. Ehlers 2001). Es ist besonders wichtig in der Zusammenarbeit mit Bezugspersonen, eigene Sicherheit zu (be‐)halten – und der Familie mit den eigenen
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Bewältigungsmöglichkeiten als Vorbild zu dienen.
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• Aktivität und Strukturgebung: In der Zusammenarbeit mit Bezugspersonen und
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insbesondere gesamten Familien ist es wichtig, eine deutlich aktivere, gestalterische Rolle einzunehmen als in Einzeltherapien, die der Familie Sicherheit in
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ihrem Veränderungsprozess vermitteln soll. Veränderung macht auch der Familie
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Angst, so benötigt sie Sicherheit, die der Therapeut durch die Strukturierung
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innerhalb der Sitzungen geben muss. Dies bedeutet unter anderem, klare Regeln
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zu setzen und auf deren Einhaltung zu achten, klar auszusprechen, was man will
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und was man nicht will usw.
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• Humor: Auch (und gerade) wenn Eltern und Kinder sehr verstrickt sind in ihren
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Auseinandersetzungen, kann das Einbringen von Humor – nicht zu verwechseln
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mit Jemanden-Lächerlich-Machen! – entlastend wirken. Wenn es gelingt, dass alle
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Beteiligten gemeinsam über eine Situation, über einen Streit, lächeln können, ist
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diese Gemeinsamkeit für den Entwicklungsprozess innerhalb der Familie sehr
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produktiv.
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Auftragsklärung
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Von zentraler Bedeutung ist die Klärung des Auftrages für die Therapie und des
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Therapeuten. Dabei ist es eminent wichtig, die – zumeist verschiedenen – Aufträge
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aller Beteiligten, also des Kindes/Jugendlichen und der jeweiligen Bezugspersonen
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(oft haben auch die Eltern untereinander nochmals unterschiedliche Aufträge) zu
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klären und offen zu legen. Unklarheiten über die verschiedenen Therapieaufträge
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führen oft zu Problemen, wenn nicht zum Scheitern des gesamten therapeutischen
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Prozesses.
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