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6.3 Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen
Wirksamkeit und Wirkfaktoren von Psychotherapie
Die Wirksamkeit von Psychotherapie, d. h. ihre Überlegenheit gegenüber keiner
Intervention oder einem stützenden Umfeld allein, ist inzwischen gut belegt
(Lambert, 2011). Dabei finden sich mittlere bis hohe Effektstärken (Effektstäken
geben an, wie bedeutsam die Ergebnisse von Studien sind, gehen also über eine reine
statistische Signifikanz hinaus). Wenn man einzelne Störungen betrachtet, finden
sich sogar noch höhere Effektstärken (Pfammatter, Junghan & Tscher, 2012). In
Bezug auf Psychotherapie bei Kindern und Jugendliche ist die Befundlage etwas
weniger gut, u .a. weil die Herausforderungen bei der Durchführung von Wirksamkeitsstudien u. a. aufgrund ethischer sowie entwicklungspsychologischer
Aspekte nochmals höher sind als bei Erwachsenen. Dennoch zeigen die Befunde,
dass Psychotherapie auch bei Kindern und Jugendlichen wirksam ist (Weisz et al.,
1995, 2017; deutscher Raum: Beelmann & Schneider 2003).
Kontroverser diskutiert wird dagegen nach wie vor, durch welche spezifischen
Faktoren Psychotherapie wirkt (Pfammater & Tschacher, 2016). Auf der einen Seite
argumentieren Verfechter bestehender Wirksamkeitsunterschiede zwischen verschiedenen Psychotherapieverfahren, dass sich die Unterschiede durch methodenoder störungsspezifischer Therapietechniken begründen lassen (z. B. Hofman &
Barlow, 2014). Dem gegenüber stehen diejenigen, die dem sogenannten »DodoVerdikt« der Psychotherapieforschung anhängen, der davon ausgeht, dass unterschiedliche Psychotherapiemethoden im Wesentlichen gleich wirksam sind (Äquivalenzparadoxon der Psychotherapie). Verantwortlich dafür sind allgemeine Wirkfaktoren, die jedem Psychotherapieprozess inhärent sind und daher in allen Formen
von Psychotherapie zum Tragen kommen (Wampold, Imel, Flückiger, 2018;
Wampold, 2010).
Die Arbeitsgruppe um Grawe (1994, 1998, 2005) identifizierte auf der Grundlage
ihrer Metaanalysen schulenübergreifend vier Wirkfaktoren in der Psychotherapie
mit Erwachsenen:
1. Ressourcenaktivierung, 2. Hilfe zur Problembewältigung, 3. Klärung und 4.
Prozessuale Aktivierung.
Tatsächlich erklären allgemeine Wirkfaktoren einen großen Teil des Erfolgs (oder
Misserfolgs) von Psychotherapie, unabhängig von der Therapierichtung (Barkham
& Lambert 2021).
»Als allgemeine Wirkfaktoren werden (in der neueren Forschung, Anmerk. der Autoren) u. a. die Therapieallianz, die Induktion von Besserungserwartungen, die Aktivierung von Patientenressourcen, die Problemaktualisierung in der Sitzung, korrektive emotionale Erfahrungen, die erfolgreiche Problembewältigung, der Aufbau
von Selbstwirksamkeitserwartungen oder die Entwicklung einer neuen Selbstnarration betrachtet (Cameron, 2014; Grawe, 2005; Jorgensen, 2004)« (Pfammater &
Tschacher 2016, S. 2). Teilweise wird jedoch auch argumentiert, dass sich allgemeine
Wirkfaktoren und Techniken auf unterschiedlichen Ebenen des Therapieprozesses
befinden und deswegen eher ihr Zusammenspiel untersucht werden sollte (Pfammater & Tschacher, 2016).
In einem Praxisforschungsprojekt (Fröhlich-Gildhoff et al. 2004, Fröhlich-Gildhoff 2007) konnten anhand von Videoanalysen von über 1000 Therapiestunden die
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