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6 Unterstützungs- und Begegnungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten
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Portionen, nahm Teile davon mit nach Hause und »versorgte« die Kollegen in der
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Gemeinschaftspraxis. Das Puddingkochen hatte dabei mehrere Funktionen: Sie
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konnte – erfolgreich – ein Produkt erstellen und damit zunächst jemand anderes
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»beglücken«; sie versorgte den Therapeuten. Dies entspricht zunächst »alten«
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Mustern: sie will das »liebe Kind« sein und sich so Zuwendung sichern – die sie
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konstant erhält. Dann kann sie ihre eigenen Bedürfnisse deutlicher zeigen und
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ausprobieren, was passiert, wenn sie »unmäßig« wird. Nachdem sie diesbezüglich
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»gesättigt« ist, zeigt sie ihre neu gewonnenen Fähigkeiten anderen und organisiert sich selbst auf diese (angemessene) Weise Zuwendung und Anerkennung.
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Etwa zwischen der 25. und 40. Sitzung spielte Johanna lange und ausdauernd
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im und mit dem Puppenhaus. Dabei setzte sie auf vielfältige Weise die eigene
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Familiensituation in Szene. Zunächst ging es darum, ein »böses Mädchen« zu
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bestrafen und aus der Familie zu verstoßen – sicherlich eine Symbolisierung der
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eigenen Erfahrungen, aber auch Ängste. Dann zeigte sie länger andauernd ihre
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verzweifelte Wut gegenüber den Elternfiguren, die ihre Kinder »vernachlässigten« und deshalb von einer Fee verzaubert oder von der Polizei verhaftet wurden.
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Gegen Ende dieser Phase wurde die Protagonistin (das vorher »böse« Mädchen)
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zunehmend selbstbewusster und setzte sich in angemessener Weise mit den
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»ungerechten« Eltern auseinander, manchmal mit Hilfe einer Tante (der Symbolfigur für den Therapeuten). Der Therapeut war in dieser Phase oft zum Mitspielen aufgefordert. Dabei hielt er sich – nach Rückversicherung (»wie meinst
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Du, soll ich jetzt als… sein?«) – eng an die Vorgaben des Kindes; manchmal
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wurden durch die Interventionen Handlungs- bzw. Entwicklungsmöglichkeiten
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angedeutet.
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Die Arbeit mit den Bezugspersonen gestaltete sich zunächst schwierig, weil sie
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wenig Verantwortung für eine Veränderung der Situation Johannas in der Familie übernehmen wollten (»es muss doch ausreichen, wenn wir sie jede Woche
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zu Ihnen bringen«). Eine größere Bedeutung für die Änderung der familiären
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Strukturen hatte die Familienhelferin, die dreimal wöchentlich im Alltag der
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Familie präsent war. Erst gegen Ende der Therapie wurden die Eltern offener für
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eine Selbst-Auseinandersetzung.
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Ende
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Die Therapie wurde ab der 52. Sitzung auf eine 14-tägige Frequenz umgestellt.
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Johanna war deutlich selbstsicherer geworden, konnte eigene Gefühle besser regulieren, konnte Misserfolge besser annehmen und in angemessener Weise ihre
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Bedürfnisse artikulieren sowie teilweise autonomer für deren Befriedigung sorgen. Begleitend zu diesen innerpsychischen Veränderungen absolvierte sie erfolgreich das erste Schuljahr (und, wie eine katamnestische Nachfrage zeigte:
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auch die weiteren) und baute einen guten Kontakt zu zwei Freundinnen auf.
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Gegen Ende der Therapie begann sie, regelmäßig auf einem Reiterhof mit zu
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helfen, was die Ablösung vom Therapeuten beschleunigte (»Ich würde ja gerne
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weiter kommen, aber die brauchen mich jetzt doch auf dem Hof…«).
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