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6.3 Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen
sichern. Dies ist letztlich dysfunktional, sie wird bestraft oder abgelehnt; die alte
Struktur mangelnden Selbstwerterlebens wird gefestigt.
Diagnose
F 92.8: Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen.
Therapieplanung
Indiziert war eine Langzeit-Kinderpsychotherapie im Einzelsetting mit wöchentlicher Frequenz. Johanna sollte die Möglichkeit erhalten, ihr Selbsterleben
im Spiel auszudrücken und zugleich unterstützt durch hilfreiche, fördernde
Interventionen neue Selbstwirksamkeitserfahrungen machen. Auf der Beziehungsebene sollte sie durch das feinfühlige, spiegelnde Begleiten ihrer Aktivitäten die Erfahrung des Angenommen-Seins und Anerkannt-Werdens machen
können. Durch diese neuen (korrigierenden) Erfahrungen sollte sie Bindungssicherheit gewinnen und auf diesem Wege zu einer Selbstwertstabilisierung gelangen. Aufgrund der frühen Entstehung der Störung und der Verfestigung
musste von einer grundsätzlich langfristigen Behandlungsperspektive ausgegangen werden.
In der begleitenden intensiven Bezugspersonenarbeit (im vierwöchigen Abstand) sollten die Eltern unterstützt werden im Realisieren einer konsistenten
Erziehungshaltung und der Verbesserung der Stellung des Kindes in der Familie.
Weiterhin war es nötig, Überforderungssituationen des Kindes zu vermeiden, um
ihm im Alltag und in der Schule Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
Da die Familie Unterstützung im Rahmen Sozialpädagogischer Familienhilfe
(gemäß § 31 SGB VIII) erhielt, war es außerdem wichtig, Absprachen mit der
Familienhelferin über ein koordiniertes Vorgehen zu treffen.
Therapieprozess
Die Psychotherapie von Johanna dauerte insgesamt 65 Sitzungen mit zusätzlich
15 Bezugspersonengesprächen. Der Therapieprozess vollzog sich in drei Phasen
(»Warmwerden«, also: Beziehungsaufbau; intensive Auseinandersetzung mit sich
selbst und dem Therapeuten, vor allem im Spiel; Ablösung und Aufbau von
Kontakten zu Gleichaltrigen), die hier im Detail nicht beschrieben werden
können.
Große Bedeutung hatten zwei lange anhaltende Abschnitte in der zweiten
Phase:
Zwischen der siebten und 13. Sitzung bestand Johannas Hauptaktivität darin,
Pudding zu kochen. Sie probierte dies aus, machte Misserfolgserfahrungen,
wurde jedoch zunehmend erfolgreicher. Der Therapeut sollte zunächst nur zuschauen (und das Geschehen kommentieren) und musste am Ende das fertige
Produkt konsumieren erst nach und nach konnte das Mädchen den Pudding
selber essen und sich zugestehen, dass sie gerne einen Großteil der Portion für
sich beansprucht. Gegen Ende der »Puddingphase« kochte sie dann sehr große
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