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6.3 Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen
Ein wichtiger Aspekt it die Frage, wann und wie stark Therapeuten »eingreifen« und
selbst Aktivitäten zeigen, sei es im Spiel oder im verbalen Austausch. FröhlichGildhoff, Riedel, Maiworm & Steinhauser (2020, S. 12) haben aus empirischem
Material »Kriterien für das aktive(re) Handeln der Therapeut*in« herausgearbeitet:
Beachtung der »Momentanen Lebenssituation/-themen des Kindes/Jugendlichen«,
»Biografischer Themen« und deren Wiederholung, den »bisherigen therapeutischen Prozess« und das »Störungsverständnis«. Diese Aspekte sind selbstreflexiv
immer wieder zu beachten, um dem Kind/Jugendlichen nicht einseitig die Therapeutenperspektive vorzugeben.
Es muss zudem betont werden, dass es die richtige bzw. in ihrer Absolutheit
perfekte Intervention an sich nicht gibt. Das Handeln des Therapeuten ist immer auf
das jeweilige Kind bezogen, eben auf die Person zentriert. Auf welcher Ebene die
Intervention erfolgt, ist vor allem vom Entwicklungsstand des Kindes und vom
Stand des therapeutischen Prozesses abhängig.
Ein Fallbeispiel
Therapieanlass
Das neunjährige Mädchen Johanna stellte sich zusammen mit seiner Mutter auf
Anraten einer Familienhelferin in der ambulanten Praxis vor. Nach Angaben der
Mutter und später der Familienhelferin und der Klassenlehrerin zeigte Johanna
auffälliges Verhalten in der Schule: Sie zog sich einerseits zurück bis zur Leistungsverweigerung, andererseits hatte sie Probleme sich an Regeln zu halten, war
»vorlaut«. Sie hatte kaum soziale Kontakte; in der Familie gab es viele Streitigkeiten unter den Geschwistern.
Das Problemverhalten zeigte sich in abgemilderter Form schon in Kindergarten und Vorschule, trat aber in der (wiederholten) ersten Klasse zunehmend
stärker auf.
Vorgeschichte und Diagnostik
Johanna ist das dritte, erwünschte Kind der verheirateten Eltern. Es gibt noch
zwei ältere (+1, +5) sowie zwei jüngere (1, -5) Schwestern. Im ersten Lebensjahr
des Kindes war die Mutter lange Zeit im Krankenhaus wegen einer Problemschwangerschaft mit der nächstjüngeren Schwester. Sie wurde in dieser Zeit von
abwechselnden Personen versorgt. Die Mutter berichtete, dass die Entwicklungsparameter normgerecht gewesen seien.
Nach der Kindergartenzeit wurde das Mädchen vom Schulbesuch zurückgestellt, sie besuchte die Vorschule wegen zum Teil ängstlichem, zum Teil kleinkindhaftem Verhalten. Demzufolge erfolgte die Einschulung ein Jahr verspätet;
wegen Leistungs- und Verhaltensproblemen wiederholte sie zu Therapiebeginn
das erste Schuljahr. Im Lauf der ersten Lebensjahre kam es zu insgesamt drei
Umzügen der Eltern und den entsprechenden Kindergarten-/Schul- und Beziehungswechseln.
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