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6 Unterstützungs- und Begegnungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten
Beide Beziehungselemente finden sich (in fast) jeder Szene der Therapie und sind
gemeinsam oder in jeweils unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden.
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die (personzentrierte) Kinderpsychotherapie.
Die Bedeutung des Spiels
Das zentrale Medium zumindest in der Kinderpsychotherapie24 ist das Spiel:
Das Spiel ist die bedeutsamste Ausdrucksmöglichkeit, die »Sprache« (Zulliger
2007) des Kindes. »Handlungsebene ist in erster Linie das freie Spiel: Es ist das
Medium, in dem das Kind sich vorwiegend ausdrückt und seine innere Wirklichkeit
inszeniert. Die Beziehungsmuster und die Beziehung zu sich selbst haben dabei eine
herausragende Bedeutung. Dabei sucht sich das Kind immer den für die Erlebnisverarbeitung optimalen Spannungszustand. Im Spiel werden die mit der jeweiligen
Situation einhergehenden Gefühle wieder erlebt und so einer Bearbeitung zugänglich gemacht: Konflikte und traumatische Ereignisse werden auf der Spielebene
dargestellt, wiederholt und verändert, bis das Kind sie in sein Selbstbild integrieren
kann. Indem die Therapeutin die Gefühle des Kindes sowohl die verbalen wie die
nicht-verbalen empathisch aufgreift, hilft sie dem Kind, sich mit so unterschiedlichen Gefühlen wie Wut, Schmerz, Traurigkeit und Scham wahrzunehmen, sich zu
verstehen und damit umgehen zu können. Im Probehandeln werden eigene Lösungen und Antworten gesucht, so wird Vergangenheit bewältigt und Zukunft
vorweggenommen« (Weinberger 2001, S. 36).
Das Spiel und die grundsätzliche Offenheit des Angebots (»Es ist Deine Stunde,
Du kannst entscheiden, ob Du spielen willst, was Du spielst, ob Du lieber allein oder
mit mir [Therapeut] spielen willst…«) dienen also zur Darstellung und zur Bewältigung inneren Erlebens. Zugleich ist die Möglichkeit gegeben, sich und neue Lösungswege zu erproben. Wenn Kinder in der Therapie selber entscheiden können,
nutzen sie 95 % der Zeit für das Spiel, während die durchschnittliche Sprechzeit
meistens parallel zum Spiel 20 % beträgt (Schmidtchen 1991).
Das Kind kann sich als selbstwirksam erleben. Die Materialien im Spielzimmer
bieten breite Anregungen, der Raum in seinen Begrenzungen ist zugleich Schutzraum.
Die Interventionen der Therapeuten erfolgen verbal und auf der Spielebene, sie
geben Resonanz auf die Selbst- und Lebensäußerungen des Kindes und ermöglichen
ihm die Aktivierung eigener Ressourcen, die innere Klärung und Überwindung
innerpsychischer Inkongruenz.
Dabei müssen Kindertherapeuten immer »Übersetzungsarbeit« leisten: Sie müssen das Kind in seiner spielerischen, symbolhaften Sprache verstehen und dies
»einordnen« und dann wieder verbal oder auf der Spielebene antworten. Das
Ȇbersetzen ist oft gleichbedeutend mit einer Transformation unbewusster Inhalte
24 Auch in der Verhaltenstherapie mit Kindern hat das Spiel eine wichtige Rolle. Es wird
anders verstanden als in der (personzentrierten) Kinderpsychotherapie, die hier genauer
beschrieben wird, sondern u. a. als Medium zur Übung, Verstärkung und zum Beziehungsaufbau verstanden (s. zur genaueren Darstellung: Höfer, 2014).
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