2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/253.md

3.2 KiB
Raw Blame History

6.2 Jugendhilfe, Hilfen zur Erziehung

Woche. Grundsätzlich lassen sich drei Formen unterscheiden: der Jugendliche lebt allein und wird hochfrequent betreut, Betreuer und Kind/Jugendlicher leben zusammen, das Kind oder der Jugendliche lebt noch in seiner Herkunftsfamilie, steht aber individuell im Fokus der Betreuung (vgl. Baierl, 2017, Fröhlich-Gildhoff 2003a). § 35a Hilfen für Kinder/Jugendlichen mit (drohenden) seelischen Behinderungen Diese Form der Hilfe kann nur nach einer fachlichen Begutachtung erfolgen. Sie umfasst ein sehr breites Spektrum, von der Förderung bei Lese-RechtschreibSchwäche bis hin zur Vollzeitbetreuung in therapeutischen Wohngemeinschaften (vgl. Lempp 2006). Nicht zuletzt durch die Kritik an einer möglichen Engfassung dieser Betreuungsformen (»Versäulung der Erziehungshilfen«) sind Konzepte der sogenannten integrierten oder flexiblen Hilfen entstanden, die zudem sozialräumlich organisiert werden: Hier werden, bezogen auf einen Stadtteil, verschiedene Formen der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen von der offenen Jugendarbeit über die ambulanten Betreuungen bis zu teilstationären oder gar stationären Betreuungen in engster Kooperation mehrerer Dienste miteinander verzahnt. Es erfolgt dann nicht unbedingt eine spezifische Zuordnung zu einem der in den §§ 28 ff SGB VIII beschriebenen Hilfeformen; so ist ein Wechsel zwischen Betreuungsformen (z. B. von der Sozialpädagogischen Familienhilfe hin zur Einzelbetreuung) unter Beibehaltung der Betreuungskontinuität eher möglich. Ebenso sind Kombinationen von Betreuungen (z. B. zwischen Tagesgruppe und Formen der Sozialpädagogischen Familienhilfe) leichter zu gestalten (zu den integrierten Hilfen vgl. Peters et al. 1998, Koch & Lenz 1999). Inzwischen existiert eine zunehmende Zahl von empirischen Untersuchungen über die unterschiedlichen Formen der Hilfen zur Erziehung; so wurden Heimerziehung und Betreute Wohnformen im Rahmen der sogenannten JuLe-Studie »Leistungen und Grenzen von Heimerziehung« (BMFSFJ 1998) dezidiert untersucht. Die »Jugendhilfe-Effekt-Studie« (vgl. BMFSFJ 2002) verglich die Effekte unterschiedlicher Hilfeformen miteinander. Weitere Untersuchungen bestehen zum Beispiel zur Sozialpädagogischen Familienhilfe (Fröhlich-Gildhoff et al. 2006, BMFSFJ 1997) oder zur Einzelbetreuung (Fröhlich-Gildhoff 2003a). Über alle Hilfen zur Erziehung hinweg ergeben sich »Erfolgsquoten« von 6070 % je nach Untersuchungsmethode, Stichprobe und festgelegten Erfolgskriterien (z. B. Legalbewährung, Wiedereingliederung in die Schule… diese Kriterien sind oft nur individuell, auf der Basis der jeweiligen Hilfepläne festzulegen). Es wird deutlich, dass wichtige Aspekte eine adäquate Indikationsstellung und auch eine genaue und partizipative Steuerung des Hilfeprozesses sind (vgl. Fröhlich-Gildhoff 2002). Eine interessante Perspektive auf Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe, die auf die Spezifika der Heimerziehung eingeht, liefern Gabriel & Keller (2019). Zur Realisierung der Hilfen hat Bürger (1999, 2006) interessante Untersuchungen vorgelegt. Angaben zu aktuellen Zahlen der einzelnen Jugendhilfen gibt die Bundesjugendhilfestatistik (www.akjstat.tu-dortmund.de). 253