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6 Unterstützungs- und Begegnungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten
sondere versucht, »auf die wichtigste Ressource der frühen Kindheit zurück[zu
greifen]: die psychobiologisch verankerten, intuitiven elterlichen Kompetenzen in
ihrer Abstimmung auf die integrativen Kompetenzen des Säuglings als Grundlage
von Interaktionserfahrung positiver Gegenseitigkeit« (ebd., S. 283); es handelt sich
um eine lösungs- und ressourcenorientierte Kurzzeittherapie.
»Grundelemente der kommunikationszentrierten Eltern-Säuglings-/KleinkindBeratung und -psychotherapie« (ebd., S. 290) sind:
• Entwicklungsberatung,
• entlastende psychotherapeutische Gespräche,
• Kommunikationsanleitung sowie psychodynamisch orientierte Kommunikations- und Beziehungstherapie.
Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei eine videogestützte Kommunikationsanleitung, bei der nach einer Vorbereitung die Interaktion zwischen Säugling und Bezugspersonen aufgenommen und dann gemeinsam »mikroanalytisch« untersucht
wird. Dabei wird zunächst an den Sequenzen »positiver Gegenseitigkeit« angesetzt.
Diese frühen Kurzzeitinterventionen haben eine sehr hohe Erfolgsquote: »Vollständige und überwiegende Besserung zusammen ergaben eine Erfolgsrate von
89,9 %. Bei 7,7 % kam es nur zu einer leichten Besserung, zum Teil wegen mangelnder Bereitschaft der Eltern zu einer Veränderung, zum Teil wegen einer psychischen Grunderkrankung der Mutter oder einer massiven Paarproblematik (…)
Bei 2,4 % kam es zu vorzeitigem Abbruch (…). Auch der Behandlungserfolg stand in
signifikantem Zusammenhang mit dem Grad der Belastung/Störung der MutterKind-Beziehung« (ebd., S. 304). Die Besserungsrate war um so höher, je geringer die
Beziehungsbelastung war. Dies wirkte sich auch auf die Behandlungsdauer aus: »Bei
gut adaptierter Mutter-Kind-Beziehung trat in 90 % der Fälle in den ersten drei
Terminen der gewünschte Behandlungserfolg ein, bei belasteter Beziehung in
ca. 65 % und bei gestörter Mutter-Kind-Beziehung in weniger als 50 % (…). Nur bei
gut einem Viertel der behandelten Kinder [war] eine Wiedervorstellung infolge von
Regulationsproblemen im Kontext späterer kritischer Phasen in der Entwicklung
nötig« (ebd., S. 305). Das sehr sorgfältig auf die individuelle Situation von Kind und
Eltern abgestimmte Konzept und vor allem die frühe Intervention erbringen hier
außerordentlich gute Erfolge.
Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Kritik an der Trennung zwischen Frühförderung und Frühen Hilfen
Wie deutlich wird, gibt es aktuell weder für Frühförderung noch für die Frühen
Hilfen aktuell ein einheitliches Modell in Deutschland. Die Umsetzung erfolgt in
den Ländern und Kommunen individuell, die Strukturen bestehen in parallleler
Form mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, die auch stark von den jeweiligen
Strukturen vor Ort abhängig sind. Weiß und Sohn (2019) sehen die Frühförderung
im weiteren Sinne als Teil der Frühen Hilfen und bemängeln Probleme der
Schnittstellen. Thyen und Simon (2020) betonen die Gemeinsamkeiten und konzeptuellen Übereinstimmungen, die sie vor allem in der Familienorientierung, Berücksichtigung des Lebensspannenansatzes, der Bedeutung des Sozialraums und der
Bildungschancen sehen. Sie kritisieren die Trennung zwischen den Systemen, die
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