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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
verzeichnete einen starken Anstieg der Online-Nutzungszeiten (2019: 205 Minuten
täglich, 2020: 258 Minuten täglich), der dann jedoch wieder zurück ging (2022:
204 Minuten täglich; verbunden mit einem Anstieg der Zeit, die mit Gleichaltrigen
verbracht wird). Ahonen (2013) stellte fest, dass junge Erwachsene durchschnittlich
150mal am Tag auf ihr Smartphone schauen und 110 Nachrichten versenden dies
bedeutet, dass diese Gruppe in ihrer Wachzeit alle 10 min auf das Medium schaut.
Nach klassischen psychiatrischen Diagnosesystemen könnte derartiges Verhalten im
Bereich der Zwangserkrankungen oder stoffunabhängigen Suchterkrankungen
eingestuft werden.
Zu den Auswirkungen der Mediennutzung ist ein heftiger Diskurs entbrannt, bei
dem es im Wesentlichen um die Frage geht, ob durch die Medien-/Internetnutzung
die Lernfähigkeit ab- sowie Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen zunehmen, ob
und wie sich die realen sozialen Kontakte verändern und wie hoch das Suchtpotential der Mediennutzung ist. Einen guten Einblick in diesen Diskurs gibt die
Kontroverse um das provokativ formulierte Konstrukt der (drohenden) »Digitalen
Demenz« (Spitzer 2012) in der »Psychologischen Rundschau« (Appel & Schreiner
2014, 2015; Spitzer 2015); eine sorgfältige Betrachtung des Themas aus jugendpsychotherapeutischer Sicht finden sich bspw. bei Labatzki (2013), Lehmkuhl und
Frölich (2013) oder Appel (2016).
Computer- und Internet-Abhängigkeit
Die Verbreitung computerspiel- und internetbezogener Störungen hat sich unter
männlichen und weiblichen Jugendlichen von 2011 bis 2015 nach Orth (2015)
statistisch signifikant erhöht. Sie ist bei männlichen Jugendlichen von 3,0 % (2011)
auf nun 5,3 % (2015) angestiegen. Altersabhängige Nutzungsfolgen sind in Tabelle
5.14 aufgeführt (c Tab. 5.14, vgl. Orth, 2015, S. 31).
Nach Koenig et al. (2016) wird die Zahl der Computer- oder Internetsüchtigen in
Deutschland bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf 4,8 % geschätzt. Darüber hinaus wird bei weiteren 14,5 % von einem deutlichen Gefährdungspotential
ausgegangen (ebd.). Für die mittlerweile stark zunehmende Gruppe der Smartphonenutzer liegen in Deutschland noch keine zuverlässigen Daten vor.
Nach der Kategorisierung im DSM V sind jetzt auch im ICD-11 in der vorläufigen
deutschen Fassung »Störungen durch Verhaltenssüchte« (BfArM 2022) aufgeführt.
In der WHO-Fassung der ICD-11 gibt es hierzu Differenzierungen, die insbesondere
die Online und Offline Spielsüchte (»Computerspielstörung«) beschreiben17. »Das
Erscheinungsbild ist charakterisiert durch Kontrollverlust, Priorisierung des Gamings vor anderen Aktivitäten, Fortsetzen des Gamings trotz negativer Konsequenzen sowie der Bedingung, dass durch die Symptomatik ein signifikanter Leidensdruck verursacht wird« (Lindenberg & Holtmann 2022, S. 2).
17 https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http%3a%2f%2fid.who.int%2ficd%2fentity%2f1
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