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5.3 Komplexe Auffälligkeiten
gestellt konsumieren fast alle Jugendlichen zumindest Alkohol. Andererseits werden
bei Weitem nicht alle abhängig, sondern es gelingt ihnen, den Konsum sowohl von
Alkohol als auch von illegalen Drogen spätestens mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter kontrollieren zu können. In diesem Zusammenhang hat das Erklärungsmodell zweier unterschiedlicher Entwicklungspfade von Moffitt (1993) an
Bedeutung gewonnen. Moffitt hat in ihrem Modell das zunächst zur Erklärung des
devianten Verhaltens allgemein konzipiert wurde ein auf das Jugendalter begrenztes Problemverhalten (»adolescence-limited«) unterschieden von einem Problemverhalten, das sich über die gesamte Lebensspanne (»life-course-persistent«)
erstreckt. »Der Anteil der Jugendlichen, die einen life-course-persistent, also nicht
nur auf die Jugendzeit begrenzten Alkoholmissbrauch aufweisen, wird von Moffitt
auf ungefähr 10 % geschätzt« (Al-Wiswasi & Petermann 2004, S. 163). Diese Jugendlichen fallen durch Verhaltensprobleme in der Regel schon vor Eintritt in die
Jugendphase auf (s. u.). Bei den Jugendlichen mit dem begrenzten, »adolescencelimited« Verlauf dies sind 90 % bleibt der Alkoholkonsum auf die Jugendphase
begrenzt. Auf diesem Hintergrund lohnt es sich, die Situationen Jugendlicher noch
mal eingehender zu betrachten und dann ein Verständnis dafür zu gewinnen,
warum gerade Drogen genommen werden.
Jugendalter
In der Adoleszenz müssen spezifische Entwicklungsaufgaben bewältigt werden (vgl.
Abschnitt 3.3.2), um Eigenständigkeit und Identität zu gewinnen. Es geht darum,
• berufliche Orientierungen zu entwickeln,
• Geschlechtsidentität aufzubauen,
• einen Bezug zu den sich rasch ändernden, gesellschaftlichen Normen und Werten
zu entwickeln,
• und sich dabei von den Eltern loszulösen und in andere (Gleichaltrigen) Gruppen zu integrieren.
Die Bewältigung dieser Entwicklungsaufgaben ist in der individualisierten und
multioptionalen Gesellschaft erschwert: Dem hohen Maß an Vielfalt und Freiheit,
aber auch »Entgrenzung« (vgl. Keupp 1999, 2002) stehen weniger verlässliche Orientierungen und Rahmenbedingungen gegenüber gegen die man sich auch auflehnen könnte. Als Konsequenz hieraus entsteht die Notwendigkeit einer lebenslangen »Identiäts-Arbeit« (vgl. Keupp 1999).
In diesem Prozess der geforderten und notwendigen Identitätsentwicklung erfolgt einerseits eine Orientierung an den Peer-Gruppen und hier können Gruppen
mit hohem Konsum einen Risikofaktor darstellen (s. u.) , zum anderen ist ein
Risikoverhalten als Ausdruck der Suche nach neuen Handlungsmustern in dieser
Altersphase typisch.
Insgesamt ist auf diesem Hintergrund der Altersabschnitt der Adoleszenz mit
besonderen Risiken und Belastungen verbunden. Diese werden je nach der in der
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