2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/191.md

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5.3 Komplexe Auffälligkeiten
Ein weiterer Aspekt dieser Entwicklung ist die Neubewertung von chronischer sexueller Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung als Ursachen für die so genannte »Komplex-Traumatisierung« (Developmental Trauma Disorder: Van der Kolk
2005).
In der personzentrierten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wurden
immer schon komplextraumatisierte Kinder erfolgreich behandelt. Bei »Dibs«
(Axline 1970) handelt es sich mit Sicherheit um ein solches Kind. Veröffentlichungen zum differentiellen Umgang mit Kindern mit sexuellen Gewalterfahrungen (Riedel 2002; Goetze 2002) und Kindern, die Naturkatastrophen durchlebt
haben (Goetze 2002, sich berufend auf Shelby 1997), liegen vor. In neuerer Zeit wird
auch von personzentrierter Seite explizit Bezug auf neuere Erkenntnisse der
Psychotraumatologie genommen (Claas & Schulze 2002, Claas 2004, Heinert 2000,
Ryan & Needham 2001, Hollritt 2003). Kindzentrierte spieltherapeutische Konzepte
etwa von Gil (1993) modifizierten das ursprüngliche non-direktive Vorgehen bei
misshandelten Kindern (Axline 1947). Eine neue Qualität der konzeptionellen
Strukturierung von Spieltherapie mit komplextraumatisierten Kindern legt Weinberg (2005) mit ihrer »traumabezogenen Spieltherapie« vor.
In diesem Beitrag soll versucht werden, die aktuellen Erkenntnisse der modernen
Psychotraumatologie (Landolt & Hensel 2007), das Rogersche Modell der Persönlichkeit und Psychotherapie (Rogers 1987), Grundannahmen der Spieltherapie
(Fahrig 1991) und personzentrierten Störungskonzeption (Hufnagel & FröhlichGildhoff 2002) sowie Vorstellungen der Allgemeinen Psychotherapie (Grawe 1998,
2004) zu einem schlüssigen nicht additiven Konzept für die Psychotherapie
traumatisierter Kinder und Jugendlicher zu integrieren.
Symptomatik und Diagnostik
Reaktionen von Kindern und Jugendlichen auf schwere Belastungen umfassen je
nach Art, Schwere und Dauer des traumatisierenden Ereignisses, zeitlichem Abstand
dazu und abhängig vom Alter des Kindes eine große Bandbreite von Symptomen.
Dies schlägt sich auch in einer Vielzahl von Diagnosen nieder. Von zentraler Bedeutung ist dabei die von Terr (1991) eingeführte Unterscheidung zwischen Typ-1
und Typ-2 Trauma. Typ-1 Trauma bezeichnet einmalige, unvorhersehbare Ereignisse, so genannte Monotraumata, Typ-2 Trauma bezeichnet dagegen Erfahrungen
chronischer (und in der Regel früh einsetzender) Traumatisierung wie lang anhaltende familiäre Gewalt und sexueller Missbrauch. Zusätzlich wird zwischen zwischenmenschlicher Gewalt und Natur(Technik)katastrophen bzw. akzidentellem
Trauma (wie einem Unfall) unterschieden (c Tab. 5.10).
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