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5.3 Komplexe Auffälligkeiten
mend setzt sich in der Fachdiskussion durch, den Begriff der Persönlichkeitsentwicklungsstörung zu benutzen.
Bei der Borderlinestörung handelt es sich um einen Symptomkomplex, der
gekennzeichnet ist durch: Eine hohe Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Selbstbild, heftige und schnelle Gefühlsschwankungen, eine
deutliche Impulsivität, vor allem eine oftmals extreme Wut, häufig ein chronisches Gefühl von Leere sowie selbstverletzendes Verhalten.
Konsistente epidemiologische Daten fehlen für die Jugendlichen; bei Erwachsenen geht man davon aus, dass etwa 12 % der Bevölkerung von dem
Störungsbild betroffen sind, drei Viertel davon sind Frauen. Die Symptomatik
beginnt deutlich aufzutreten in der späteren Adoleszenz bzw. dem jüngeren
Erwachsenenalter die Wurzeln liegen allerdings in früher Kindheit. Es handelt
sich um eine sogenannte »frühe Störung« bzw. eine »Selbststrukturstörung«.
In dieser frühen Zeit haben sich desorganisierte Beziehungsmuster entwickelt,
die im Zusammenspiel mit traumatisierenden Erfahrungen, zum Teil auch
einem »schwierigen Temperament« zur Vielzahl der Symptome führen. Die Patientinnen haben besondere Probleme, innere Zustände von sich und anderen
innerpsychisch abzubilden aufgrund der erfahrenen eigenen Vernachlässigungen
bzw. Inkonsistenzen. Es kommt zu einem dauerhaften Gefühl von Unsicherheit
in zwischenmenschlichen Beziehungen. Dieses wird versucht, über einfache
Strukturbildungen auszugleichen, z. B. massive Aggression/Autoaggression,
übermäßige Idealisierung, rigide Schwarz-Weiß-Betrachtungen der Welt.
Für die unterstützende Begegnung ist in erster Linie der Aufbau einer sicheren
Bindung bzw. Beziehung wichtig; die Betroffenen sollen neue, Halt gebende
Erfahrungen machen und diese innerpsychisch abbilden können. Durch die
genaue Affektspiegelung kann es zum Aufbau stabiler Repräsentationen kommen. Diese »korrigierenden emotionalen Erfahrungen« bilden die Grundlage für
ein weiteres, gezieltes Vorgehen. Eine bewährte Methode zu einer Verbesserung
der Weltbegegnung ist die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT).
Fragen zur Selbstüberprüfung
1. Welche Argumente sprechen gegen die Verwendung der Kategorie der Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen?
2. Wie lässt sich der »Kreislauf stabiler Instabilität« genauer beschreiben?
3. Wie kann man die mangelnde Fähigkeit zur Affektregulation bei Borderlinepatientinnen erklären?
4. Welche Bedeutung haben die oftmals beobachtbaren starken Autoaggressionen für das psychische Überleben der Patientinnen?
5. Welche besonderen Ressourcen zeigen Borderlinepatientinnen?
6. Was sind die wesentlichen Kennzeichen des Konzepts der DBT?
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