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5.3 Komplexe Auffälligkeiten
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Ursachen, Störungsentstehung
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Die Komplexität und die Stabilität der Störung sprechen für eine Verursachung in
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sehr frühen Entwicklungsphasen der Selbststrukturbildung.
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Biologische Ursachen
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Zur Bedeutung genetischer Faktoren gibt es keine eindeutigen Befunde. Es liegt in
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diesem Zusammenhang eine einzige Studie von Drogersen (2000) vor, die in einer
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vergleichenden Zwillingsstudie Unterschiede zwischen ein- und zweieiigen Zwillingen hinsichtlich der affektiven Labilität und anderer Anzeichen für Persönlichkeitsstörungen aufzeigen konnte; die Befunde – und auch die dargestellten methodischen Probleme (c Kap. 3.1) – lassen allerdings nur den Schluss zu, dass
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genetische Faktoren nicht eindeutig nachweisbar sind.
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Neuronale Korrelate
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In einer Reihe von Studien konnten neurologische Korrelate für die spezifischen
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Verhaltensweisen, insbesondere die erhöhte Impulsivität, das selbstschädigende
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Verhalten, aber auch die verringerte »Mentalisierungsfähigkeit« gefunden werden
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(Fonagy et al. 2004, S. 224 f; Bohus 2002, S. 14). Allerdings wird auch hierbei diskutiert, ob nicht Schädigungen durch frühe Traumata, Vernachlässigungs- und
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Verlassenheitserfahrungen zu Veränderungen der neuronalen Strukturen und chemischen Prozesse führen. So betonen Fonagy et al. (2004), dass extrem erhöhte
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Erregungsniveaus neurochemische Veränderungen triggern, die eine übermäßige
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Aktivierung in unterschiedlichen Hirnregionen auslösen (vgl. ebd., S. 225). »Schore
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(2001) hat Material dafür vorgelegt, dass eine sichere Bindung die Basis für die
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Entwicklung des präfrontalen Kortex, das heißt, die Affektregulation darstellt«
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(Fonagy et al. 2004, S. 224).
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Anders herum prägen frühe Erfahrungen von desorganisierter Bindung und
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Traumatisierung natürlich auch kortikale Strukturen. »Es ist davon auszugehen, dass
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einerseits biologische Faktoren die Grundlage für ein leicht erregbares Temperament liefern, andererseits können aber auch schwere Traumata, Misshandlungen
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und emotionale Vernachlässigungen zu dauerhaften neurochemischen Veränderungen führen (Koenigsberg & Siever 2000). Das bedeutet, dass von einer wechselseitigen Beeinflussung biologischer und psychologischer Faktoren ausgegangen
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werden muss« (Renneberg 2001, S. 410).
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Mit großer Wahrscheinlichkeit, darauf weisen auch Adam & Peters (2003) hin,
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spielt ein »schwieriges Temperament« (vgl. Thomas & Chess 1989; c Kap. 3.3.2) auf
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der biologischen Ebene eine mit verursachende Rolle – aber auch dieses ist immer
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im Zusammenhang mit sozialen Faktoren und Interaktionsprozessen zu betrachten.
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