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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
zwischen 70 und 75 % aller Personen mit der Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörungen weiblich (vgl. Bohus 2002; Renneberg 2001; auch die AWMF, 2022, gibt
ein Geschlechtsverhältnis von 3:1 an). Angesichts dieser Relationen wird diskutiert,
ob nicht die Diagnose bei Frauen aufgrund des selbstverletzenden Verhaltens eher
gestellt wird, während Männer mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung eher
aufgrund des aggressiv-gewalttätigen Verhaltens auffällig werden und dann verstärkt
in forensischen Kliniken oder Justizvollzugsanstalten aufgenommen werden; nach
Saß und Jünemann (2000) finden sich in »forensisch-psychiatrischen Stichproben
bei ca. 80 % aller untersuchten Patienten Persönlichkeitsstörungen« (Adam & Peters
2003, S. 112). Allerdings seien Borderline-Persönlichkeitsstörungen bei weiblichen
Inhaftierten ebenfalls erhöht (Renneberg 2001).
Komorbidität
Es zeigen sich extrem hohe Komorbiditätsraten. So weisen Patientinnen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen »Schlafstörungen (50 %), depressive Störungen
(Lebenszeitprävalenz ca. 98 %) und Angststörungen (Lebenszeitprävalenz über 90 %)
auf; ca. 40 % aller Frauen und 60 % aller Männer erfüllen darüber hinaus die Kriterien für Alkohol- oder Drogenmissbrauch« (Bohus 2002, S. 11; vgl. auch Renneberg 2001).
Verlauf und Prognose
Übereinstimmend zeigten verschiedene ältere Studien, dass die Suizidrate bei etwa
10 % liegt (vgl. Bohus 2002, Renneberg 2001), die Zusammenstellung n den aktuellen S3 Leitlinien geht von einer niedrigeren Rate von 26 % aus (AWMF 2022).
Erste Symptome der Borderline Persönlichkeitsstörung können bereits im frühen
Jugendalter auftreten (z. B. Selbstverletzungen). »Allerdings konnte bislang keine
Studie anhand kindheitsbezogener subklinischer Auffälligkeiten eine spätere volle
BPS-Diagnose vorhersagen, so dass zum jetzigen Zeitpunkt die genauen VorläuferSymptome in der Kindheit als unklar gelten« (AWMF 2022, S. 23). Übereinstimmend zeigen verschiedene Studien, dass eine hohe Stabilität von Symptomatiken
von der (späteren) Adoleszenz bis ins Erwachsenenalter vorliegt. Aus der Studienübersicht in den Leitlinien lässt sich schlussfolgern, »dass die BPS [Borderline Persönlichkeits-Störung] ähnlich stabil in der Adoleszenz wie im Erwachsenenalter
verläuft, einen generell positiven Verlauf mit positiver Prognose für die impulsiven
Symptome aufweist, eine langsamere Remission für depressive Symptome sowie
eine schlechtere Prognose für die mit der Erkrankung verbundenen Persönlichkeitsfunktionseinschränkungen. Das Suizidrisiko ist bis zu einer langjährigen Remission als grundsätzlich erhöht einzuschätzen. Eine lebensspanneninformierte
Perspektive erscheint bedeutsam für die diagnostische Einschätzung und Prognose
der BPS, besonders aufgrund des möglichen Potenzials von Frühintervention hinsichtlich einer Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus (AWMF 2022,
S. 24).
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