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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
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Zusammenfassung
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Aggressives und gewalttätiges Verhalten – das mit einer beabsichtigten Schädigung von anderen Menschen oder Gegenständen verbunden ist – wird im
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Klassifikationssystem ICD-10 unter »Störung des Sozialverhaltens« kategorisiert.
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In Untersuchungen zur Epidemiologie findet sich eine breite Spanne der
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Prävalenzraten von 4–15 % aller Kinder und Jugendlichen, abhängig von den
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jeweiligen Untersuchungsmethoden. Jungen zeigen deutlich häufiger als Mädchen körperliche und verbale Gewalt, Mädchen zeigen häufiger sogenannte relationale Gewalt. Gewalttätiges Handeln hat in den letzten fünf Jahren nicht zu-,
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sondern abgenommen; für die Mehrzahl gewalttätiger Handlungen – auch im
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strafrechtlichen Sinne – ist eine kleine Gruppe von »Intensivtätern« verantwortlich. Gewalttätiges Verhalten weist eine hohe Langzeitstabilität ab dem
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fünften Lebensjahr auf.
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Ursächlich wird nicht von einem »Aggressionstrieb« ausgegangen. Eine Bedeutung hat das sogenannte »schwierige Temperament«. Im Zusammenspiel mit
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Beziehungserfahrungen in den ersten Lebensjahren, erhalten später potenziell
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gewalttätige Kinder zu wenig Unterstützung im Aufbau von Selbstregulationsfähigkeiten. Die sozialen Kompetenzen sind – vor allem aufgrund fehlender
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Vorbilder – nicht ausreichend ausgeprägt. Oft findet sich ein geringer Selbstwert,
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der über gewalttätiges Handeln kompensiert wird und so zu Selbstwirksamkeitserfahrungen führt. Ferner finden sich Verzerrungen im Prozess der Informationsverarbeitung (Selbst- und Fremdwahrnehmung): Viele Situationen
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werden als »gewaltgeladen« interpretiert und es wird entsprechend reagiert.
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Neben den Ursachen spielen Auslösebedingungen eine Rolle, vor allem: unklare soziale Situationen, Überforderung, ein soziales Klima, das Gewalt fördert,
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Alkohol und Drogen, eindeutige Hinweisreize (z. B. Waffen) und schlecht verarbeitete Frustrationen.
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Die Interventionen müssen multimodal erfolgen. In der Begegnungshaltung
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muss Wertschätzung und Konfrontation realisiert werden. Bewährt haben sich
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Gruppeninterventionsprogramme, die auch die Eltern einbeziehen. Wegen der
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Langzeitstabilität haben präventive Programme eine besonders große Bedeutung.
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Fragen zur Selbstüberprüfung
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1. Welche Argumente sprechen gegen die Annahme eines »Aggressionstriebs«?
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2. Wodurch kommt die hohe Langzeitstabilität gewalttätigen Verhaltens zustande?
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3. Wie lässt sich die »verzerrte Informationsverarbeitung« gewalttätiger Kinder
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und Jugendlicher genauer beschreiben?
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4. Welche Rolle spielen Medien bei der Entstehung oder Aufrechterhaltung gewalttätigen Handelns?
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