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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
selbstverstärkend zu aggressivem Verhalten bei den dann älteren Kindern führt.
Krahé (2001) beschreibt einen »hostile attributional style«, eine Tendenz, unklare
Situationen als feindselig oder aggressiv zu interpretieren. Dornes (1997) zeigt anhand von Untersuchungen von Dodge (1991), dass »aggressive Kinder eine attribution bias haben, welche die Aufrechterhaltung dysfunktional gewordener Aggressionen befördert. Sie haben die Neigung, in zweideutige Situationen
Aggressionen hineinzulesen. Zeigt man ihnen und einer Vergleichsgruppe weniger
aggressiver Kinder Bilder oder Videos von Situationen, in denen a) ein Kind ein
anderes offensichtlich absichtlich verletzt und b) offensichtlich unabsichtlich verletzt und c) die Situation nicht eindeutig ist, so interpretieren aggressive Kinder die
zweideutige Situation signifikant häufiger als von absichtlicher Aggression erfüllt
(…). Psychoanalytisch gesprochen projizieren sie Aggression in die Situation« (ebd.,
S. 274). Diese »verzerrte sozial-kognitive Informationsverarbeitung« (Petermann et
al. 2001) bildet die Grundlage für einen sich selbstverstärkenden Kreislauf, wodurch
das zugrundeliegende Schema immer wieder verstärkt wird.
c) Selbstwirksamkeit und Kontrollerwartungen
Aufgrund unzureichender Selbstwirksamkeitserfahrungen in früher Kindheit
bestehen generell bei stärker aggressiven Kindern eingeschränkte Selbstwirksamkeits- bzw. Kontrollerwartungen. Krahé (2001, S. 55 f) referiert Untersuchungsergebnisse, die zeigen, dass Menschen mit erhöhtem aggressivem Verhalten generell die Tendenz zeigen, Gefühle von Unwohlsein, Hilflosigkeit und
Verletzlichkeit zu empfinden (»emotional suspectibility«). Aggressives Verhalten
ist eine Möglichkeit, um zumindest kurzfristig Situationskontrolle auszuüben
und damit das eigene Selbstwirksamkeitserleben zu erhöhen. Petermann et al.
(2001) stellen fest, dass aggressive Kinder »glauben, dass Aggression zu Anerkennung, einem höheren Selbstwertgefühl sowie positiven Gefühlen führt (…);
weiterhin schätzen diese Kinder ihr aggressives Handeln als effektiv ein« (ebd.,
S. 21). Dornes (1997) geht sogar davon aus, dass »auch feindselige Aggressionen,
wenn sie zum Erfolg führen (…) lustbetont sein« können. Diese »narzisstische
Lust« kann zum Ziel selbst werden »und zum Ersatz für anderweitig unerreichbare Befriedigung, (…) sowie zur Aufrechterhaltung oder Herstellung einer
(labilen) narzistischen Homöostase«. In Anlehnung an Cohler (1995) stellt
Dornes fest, »dass selbst noch die sinnloseste Destruktivität (…) ein verzweifelter
Versuch ist, angesichts traumatischer, psychischer und sozialer Erfahrungen von
Wertlosigkeit, Überflüssigkeit und Deprivationen einen Rest von Gefühlen
psychischer Lebendigkeit und Vitalität aufrecht zu erhalten« (ebd. 1997, S. 278 f).
Auch Krahé (2001) zitiert eine Untersuchung von Baumeister & Boden (1998),
die zeigt, dass durch Aggression in bestimmten Situationen oder Gruppen eine
Selbstwerterhöhung erzielt werden kann, die dann langfristig durch Aggressionen immer wieder abgesichert werden muss. Krahé (2001) stellt fest, dass aggressives Verhalten nicht, wie früher oft angenommen, unbedingt mit einem
eindeutig niedrigen, aber mit einem unrealistischen bzw. instabilen Selbstwert
zu tun hat, der die Individuen vulnerabel durch die Aggression macht. »Individuals holding inflated and/or unstable views of themselves are more easily
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