36 lines
3.0 KiB
Markdown
36 lines
3.0 KiB
Markdown
5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
|
|
|
|
a) »Eine unsichere Bindung kann aggressives Verhalten steigern, indem Handlungsmuster (…) geformt werden, in denen Beziehungen durch Zorn, Misstrauen und Chaos gekennzeichnet sind« (Petermann et al. 2001, S. 22; Denham et
|
|
al. 2002 konnten zeigen, dass sich unsicher gebundene Kinder im Alter von drei
|
|
Jahren in Interaktionen mit Gleichaltrigen weniger emotional und sozial kompetent verhielten.).
|
|
b) »Aggressives Verhalten wird benutzt, um die Aufmerksamkeit der Bezugsperson
|
|
zu erhalten.« (…)
|
|
c) Aus einer unsicheren Bindung entwickelt sich eine »nicht-prosoziale Orientierung im Hinblick auf Beziehungen« (Petermann et al. 2001, S. 22).
|
|
Petermann & Wiedebusch (2003) stellen zusammenfassend fest: »Bei unsicher gebundenen Kindern wurde (…) mit zunehmendem Alter ein Anstieg negativer und
|
|
ein Rückgang positiver Emotionen festgestellt. Im zweiten und dritten Lebensjahr
|
|
freuten sich diese Kinder seltener und waren häufiger ängstlich oder ärgerlich«
|
|
(ebd., S. 31).
|
|
Anhand der Ergebnisse verschiedener Langzeituntersuchungen kommt Dornes
|
|
(1997) zusammenfassend zu dem Ergebnis: »Unsicher gebundene Kinder haben (…)
|
|
eine schlechtere Impulskontrolle und sind bei ihren Kameraden weniger beliebt
|
|
(…). Insgesamt ist der Zusammenhang zwischen desorganisierter Bindung und
|
|
feindseliger Aggression deutlicher ausgeprägt, als zwischen vermeidender Bindung
|
|
und Aggression (vgl. Lyons-Ruth 1996, S. 67 ff). Desorganisierte Kinder sind im
|
|
Vorschulalter erheblich aggressiver als vermeidende oder sichere, insbesondere
|
|
dann, wenn noch andere Risikofaktoren wie niederer sozioökonomischer Status
|
|
und/oder Psychopathologie der Mutter hinzukommen« (ebd., S. 273, 275).
|
|
Weitere Auswirkungen dauerhaft unsicherer Bindungserfahrungen können in
|
|
einer »einseitigen« Informationsverarbeitung und »in einer Beeinträchtigung der
|
|
sozio-moralischen Entwicklung, der Ausbildung sozialer Kompetenzen und des
|
|
Selbstwertgefühls bestehen« (Kleiber & Meixner 2000, S. 197; vgl. auch Scheithauer
|
|
& Petermann 2004, Brisch 1999).
|
|
Weiteres soziales Umfeld
|
|
Eine besondere Bedeutung bei der Aufrechterhaltung aggressiven bzw. gewalttätigen Verhaltens haben Gleichaltrigengruppen: Verhaltensauffällige Kinder machen
|
|
die Erfahrung von Ausgrenzung. Sie werden von sozial kompetenteren Kindern
|
|
bzw. Jugendlichen abgelehnt und »schließen sich deshalb [eher] devianten Peergruppen an. Dies begünstigt grundsätzlich einen abweichenden Lebensstil (…). Es
|
|
kommt verstärkt zu gewalttätigem Verhalten, Vandalismus und offiziellen Straftaten. Gesellschaftliche Stigmatisierungsprozesse und Sanktionen krimineller Jugendlicher tragen schließlich dazu bei, dass sie eine Identifikation mit dem abweichenden Verhalten aufbauen und sich das antisoziale Verhalten weiter verfestigt«
|
|
(Kleiber & Meixner 2000, S. 197). Untersuchungen von McCord (1998) zeigen, dass
|
|
Kinder früher und nachhaltiger durch aggressiv auffällige Gleichaltrige geprägt
|
|
werden und der Einfluss der Familie deutlich abnimmt. Dieser Zusammenhang ist
|
|
158
|