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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
Jugend erst im Erwachsenenalter delinquente Verhaltensweisen entwickeln oder
Personen, die von Kindheit an auffällig sind, deren antisoziales Verhalten sich aber
(erst) im mittleren Erwachsenenalter legt und nicht bis zum Lebensende persistiert.
Aus frühem antisozialem Verhalten kann deshalb nicht zwangsläufig auf eine Persistenz geschlossen werden« (Kleiber & Meixner 2000, S. 196).
Ursachen
»Die Genese von Störungen des Sozialverhaltens kann nur in einem multifaktoriellen Konzept verstanden werden, in dem sowohl psychosoziale als auch neurobiologische Risikofaktoren sowie deren Wechselwirkung berücksichtigt werden«
(AWMF 2016, S. 15). Entsprechend dem bio-psycho-sozialen Modell werden im
Folgenden die wichtigsten Erkenntnisse zu den Ursachen des Auftretens gewalttätigen Verhaltens zusammengestellt:
Biologische Faktoren
Menschen werden mit unterschiedlichen Entwicklungsvoraussetzungen geboren.
Diese Voraussetzungen bilden eine Grundlage für die Ausprägung aggressiven
Verhaltens. Die zurzeit vorliegenden empirischen Erkenntnisse liefern keine Belege
für einen genetischen Zusammenhang. Zusammenfassend stellen Scheithauer &
Petermann (2004) fest: »Aufgrund der Komplexität der mit einem Verhalten wie
z. B. Aggression möglicherweise verbundenen Genabschnitte lassen sich wohl kaum
direkte Verbindungen auffinden (z. B. ein klar definierter genetischer Marker, der
mit aggressivem Verhalten verknüpft ist)« (ebd., S. 388).
Eine weitaus größere Bedeutung haben offensichtlich neurologische Verletzungen, die z. B. durch prä-, peri- oder postnatale Bedingungen verursacht sind und
sekundär negative Auswirkungen auf Wahrnehmungen, Informationsverarbeitung
und Möglichkeiten der Emotionsregulation haben (vgl. auch hierzu die Zusammenstellung bei Scheithauer & Petermann 2004, S. 93 ff, aber auch Papousek 2004).
Die größte Bedeutung wird Temperamentsfaktoren zugemessen. Schmeck (2003)
fasst die bestehenden Untersuchungen zum Zusammenhang von spezifischen
Temperamentsmerkmalen und aggressivem Verhalten zusammen:
• »Im Kleinkindalter zu erfassendes schwieriges Temperament stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung von externalisierenden Verhaltensstörungen dar;
• dieses schwierige Temperament steht in einem engeren Zusammenhang zu aggressivem als zu dissozialem Verhalten;
• der Zusammenhang ist deutlich zu erkennen zum früh beginnenden aggressiven
Verhalten, nicht aber zum aggressivem Verhalten, wenn es erst nach dem 10.
Lebensjahr einsetzt;
• von hoher Bedeutung zeigt sich die Interaktion zwischen Temperament und
elterlicher Wahrnehmung. Je eher die Temperamentsmerkmale eines Kindes von
seinen Eltern als schwierig angesehen werden, desto eher sind im Verlauf der
Entwicklung externalisierende Verhaltensstörungen der Kinder zu erwarten«
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