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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
letztlich hervorgeht, dass die »schwerwiegenden Auseinandersetzungen nicht (…)
zugenommen haben sollten« (ebd., S. 24); allerdings stellen sie auch fest, dass »ohne
Zweifel (…)Aggression und Gewalt ein gravierendes praktisches Problem an unseren Schulen« sind und zu einer erheblichen Belastung der Lehrer führen auch
deswegen, weil aggressives Verhalten im Kontext mit einer Vielzahl anderer Verhaltensauffälligkeiten steht. In der Auswertung der Polizei-Kriminalstatistik kommt
das Deutsche Jugendinstitut zu dem Schluss: »Im Jahr 2020 hat die Anzahl der
polizeilich registrierten jungen Tatverdächtigen im Bereich der (vorsätzlichen) einfachen Körperverletzung im Vergleich zu 2019 insgesamt abgenommen. Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich ein ähnliches Bild wie im Bereich der Gewaltkriminalität: In der Gruppe der tatverdächtigen Kinder unter 14 Jahren sind die
Zahlen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen (17 %). Auch ist ein weiterer
Rückgang entsprechender Delikte bei der Gruppe der Jugendlichen zu konstatieren
(16,5 %). Ein Rückgang ist ebenfalls bei den Gruppen der Heranwachsenden
(15,8 %) und jungen Erwachsenen (10,5 %) zu verzeichnen« (DJI 2021, S. 11).
Eine etwas klarere Auskunft könnten offizielle Statistiken zu delinquentem
Verhalten geben, wobei auch hier eine große Differenz zwischen sogenannten »HellFeld-« und »Dunkel-Feld-Zahlen« stehen. Die klassische »Hell-Feld-Statistik« ist die
polizeiliche Kriminalstatistik, die Informationen zur polizeilichen Registrierung
tatverdächtiger Personen, aufgeschlüsselt nach Altersgruppen und strafrechtlich
relevanten Delikten, enthält (s. o.). In »Dunkelfeldbefragungen« des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN, Baier et al. 2010) wurde deutlich,
dass hier ebenfalls eine Abnahme von Gewalt entsprechend der Tendenz in der
Hellfeldstatistik (Kriminalstatistik, s. o.) erfolgt. Aus den Schülerbefragungen geht
hervor, dass sich regionale Unterschiede ergeben (häufiger Gewalt in Städten) sowie
deutliche Mädchen/Jungen-Unterschiede: Im Jahr 2005 gaben 8,6 % der Jungen und
1,9 % der Mädchen an, »schwere Gewaltdelikte« begangen zu haben. Zwischen den
Jahren 1998 und 2005/2006 zeigt sich allerdings eine deutliche Abnahme der
Selbstangaben zu gewalttätigem Verhalten und Körperverletzungen. Dies gilt für
Jungen und Mädchen gleichermaßen. Das Vorurteil, dass die »Qualität der Gewalt«
zunimmt, dass also schwerere Körperverletzungen begangen werden, lässt sich
durch Schülerbefragungen, aber auch Statistiken der Unfallversicherungen nicht
belegen (Baier et al. 2010, s. a. Lösel et al. 2007).
Es gilt gleichermaßen für alle Untersuchungen, dass sowohl bei den Heranwachsenden, als auch bei den Jugendlichen in deutlich stärkerem Maße Jungen
gewalttätig sind (i. d. R. über 80 %). Dabei ist auch der Anstieg der registrierten
Jugendgewaltkriminalität weit überwiegend auf die Zunahme männlicher Tatverdächtiger zurückzuführen, obwohl »zugleich der relative Anstieg bei den weiblichen
Jugendlichen (Zunahme um den Faktor 2,99) stärker ausgeprägt ist, als bei den
männlichen Jugendlichen (Faktor 2,24)« (Brettfeld & Wetzels 2003, S. 86 f).
Bei sogenannten »Dunkel-Feld-Untersuchungen« also breiten RepräsentativBefragungen ist gleichfalls ein Rückgang der Delinquenz festzustellen. Beim
Vergleich mehrerer Städte ergab sich »auch bei Berücksichtigung der Mehrfachtäterschaft (…) an allen Orten unserer Untersuchung, [dass] die Täterraten der Jugendlichen im Bereich der Gewaltdelinquenz rückläufig sind« (Brettfeld & Wetzels
2003, S. 103); das Verhältnis von Jungen zu Mädchen beträgt etwa 3:1. Die in einigen
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