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5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
ein sich beständig verschlechterndes Selbstwertgefühl unmittelbare Auswirkungen
auf die Motivation haben, was sich wiederum auf die Ausdauer niederschlägt«
(Schulte-Markwort & Düsterhus 2003, S. 99). Die Kinder geraten nicht selten in der
Klassengemeinschaft in eine Außenseiterposition und gelten als Störenfriede. Sie
»glauben nicht mehr an sich und verstärken in (sub)depressiver Manier ihre
schlechte Gesamtsituation. Ein Ausweg ist dann manchmal die aggressive Abwehr
des Misserfolgs« (ebd.).
Kinder und Jugendliche, die solche kombinierten Verhaltensauffälligkeiten zeigen, stellen für ihr Umfeld eine Herausforderung dar; sie rücken immer wieder ins
Licht der Fachdiskussion (vgl. die Zusammenstellungen bei Riedesser 2006, Mattner
2006, Amft 2006, Bonney 2012). Es gibt keine klaren Aussagen darüber, ob ihre
Zahlen im Lauf der Jahre zugenommen haben allerdings gibt es eine zunehmend
erbitterte Fachdiskussion um Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten (siehe unten). Schon 1844 hat der Frankfurter Allgemein- und spätere Nervenarzt Heinrich
Hoffmann in seinem Kinderbuch »Struwwelpeter« die Unart des Zappelphilipps
beschrieben, ohne dass ursprünglich ein Krankheitsbild abgebildet wurde (vgl.
Seitler 2004).
Bei der Betrachtung der Geschichtsschreibung zur Unruhe und Unaufmerksamkeit wird der englische Pädiater Still (18681941) als der »Vater« des Konzeptes
bezeichnet. Die übermäßige Unruhe der Kinder wird als »moral defect« beschrieben
(vgl. Seitler 2004). Spätestens seit Ende des zweiten Weltkrieges gibt es eine Reihe
von Veröffentlichungen zu den beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten, die als
hyperkinetisches Syndrom, aber auch als »minimal brain damage syndrom« oder als
»minimal brain disorder« bezeichnet wurden, wobei lange Zeit eine frühkindliche
Hirnschädigung als Ursache angenommen wurde. Mit der Einführung des Diagnosesystems DSM-III-R wurde 1980 erstmals die Störung als Syndrom klassifiziert.
Bereits 1937 entdeckte Bradley die Wirkung des Stoffes Methylphenidat. »Mit
dieser Entdeckung begann, was Lawrence Diller 1996 the run on Ritalin genannt
hat« (Seitler 2004, S. 210, s. auch Mayes & Rafalovich 2007). Seit den sechziger
Jahren des vergangenen Jahrhunderts ergibt sich eine zunehmende Behandlung mit
diesem Medikament: Die Zahl der verordneten Ritalin-Tagesdosen ist mindestens
um das Dreißig- (Hüther & Bonney 2002) bis Vierzigfache (Seitler 2004) gestiegen
und steigt weiter.
Der Barmer GEK Arzneimittelreport (2013) verdeutlichte, dass bis zum Jahr 2011
in allen Altersstufen ein deutlicher Anstieg der ADHS-Diagnosen zu verzeichnen
war, zwischen 2006 und 2011 war eine Steigerung der Diagnosen um 49 % festzustellen. Dieser Anstieg der Diagnosehäufigkeit hat sich nach den Daten der KiGGSStudie nicht weiter fortgesetzt: Im Vergleich zur KiGGS Basiserhebung (20032006)
ist ein Rückgang der elternberichteten Lebenszeitprävalenz von ADHS-Diagnosen
um 0,9 Prozentpunkte in einem Zeitraum von zehn Jahren zu verzeichnen (Göbel et
al. 2019); dieser Rückgang ist für die Jungen signifikant. »Kinder und Jugendliche,
die in sozial benachteiligten Familien aufwachsen, sind signifikant häufiger von
ADHS betroffen als Gleichaltrige aus sozial bessergestellten Familien« (ebd., S. 49).
Seit 1990 war gleichfalls ein deutlicher Anstieg der Verordnung des Medikaments
Ritalin zu beobachten; die Steigerung der Verordnungen von 0,3 Millionen Tagesdosen im Jahr 1990 auf 13,5 Millionen Tagesdosen im Jahr 2002 (Barmer GEK
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