2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/125.md

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5.1 Internalisierende Auffälligkeiten
»Psychotherapie ist bei der AN das Behandlungsverfahren der ersten Wahl (Zeeck et
al. 2020, S. 104, s. a. Zeeck et al. 2018, Zipfel et al. 2015).
Wie beschrieben handelt es sich um komplexere Störungsmuster, die oft chronifiziert sind. Daher sind Erfolge insbesondere bei Patienten mit Adipositas nicht
leicht zu erzielen. Franke (2001) nennt daher als wichtige therapeutische Prinzipien
»Geduld und Vertrauen«. Dies macht sie am Beispiel anorektischer Patientinnen
deutlich: »Der therapeutische Kontakt gelingt nur, wenn die Behandler sehr viel
Geduld haben und verstehen, dass die Patientin mit jedem Schritt, den sie sich aus
der Anorexie hinaus begibt, ihre Überlebensstrategie loslässt. Dies kann nur gelingen bei einer therapeutischen Begleitung, die zuverlässig ist und optimistisch und
sich mit der eigenen Angst auseinandersetzt, statt sie hinter kontrollierenden
Zwangsmaßnahmen zu verstecken« (Franke 2001, S. 385).
Für die langfristige Stabilisierung eignet sich für schwerer erkrankte Patienten
mit Essstörungen nach einem stationären Aufenthalt vielfach eine Anschlussbehandlung in einer auf Essstörungen spezialisierten Wohngruppe. In diesen Wohngruppen wird unter Berücksichtigung der noch bestehenden klinisch relevanten
Essstörungssymptomatik eine sukzessive Rückführung in einen normalen Lebensalltag forciert. Betreut von multiprofessionell zusammengesetzten Teams, können
Klienten dort darauf hinarbeiten, dass sich ihre psychosozialen Lebensumstände im
Laufe des Aufenthalts in der Wohngruppe signifikant verbessern und mit zunehmender Selbstständigkeit und dem Rückgang der Symptomatik eine Entlassung aus
dem klinischen Setting möglich wird (Tun, Leiteritz & Wünsch-Leiteritz, 2018;
Herpertz et al., 2008). Vor diesem Hintergrund hat sich daher in den letzten Jahren
bundesweit eine Vielzahl von auf Essstörungen spezialisierten Wohneinrichtungen
etabliert (Stand Ende 2022: 47 Wohngruppen als Mitglieder im Bundesfachverband
Essstörungen BFE; www.bundesfachverbandessstoerungen.de). Eine Analyse von
Behandlungsverläufen in einer entsprechend spezialisierten Wohngruppe findet
sich bei Krieglstein et at al. (2023).
Zusammenfassung
Begrifflich werden unter Ess-Störungen die Anorexie, die Bulimie und die Adipositas zusammengefasst. Dabei ist die Anorexie in erster Linie dadurch gekennzeichnet, dass von den Patientinnen in extremer Weise ein Gewichtsverlust
herbeigeführt und ein starkes Untergewicht gehalten wird; das Hauptmerkmal
der Bulimie ist das sehr häufige Auftreten von »Fressattacken«, die von Methoden
der »Gegenregulation« (z. B. Erbrechen) begleitet werden. Adipositas bezeichnet
einen sehr deutlichen Überschuss an Körperfetten, der besonders auf ein Ungleichgewicht von Nahrungsaufnahme und Bewegung zurückzuführen ist.
Die Ess-Störungen hängen mit dem Körpergewicht zusammen. Ein wesentliches Klassifikationskriterium hierfür ist der sogenannte Body Maß Index (BMI).
Dieser berechnet sich wie folgt: BMI = Körpergewicht (kg) geteilt durch Körpergröße zum Quadrat (m2). Anorexie ist durch einen BMI von weniger als 18,5
definiert, Adipositas durch ein BMI von größer 30.
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