33 lines
2.8 KiB
Markdown
33 lines
2.8 KiB
Markdown
5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
|
|
|
|
Eine Metaanalyse von Katamnesestudien von Steinhausen (2002) bestätigt diese
|
|
Zahlen (guter Heilungserfolg bei ca. 50 %, 30 % Besserung, 20 % chronischer Verlauf). In einer Langzeitstudie zeigten nach durchschnittlich 6,4 Jahren bei 70 % der
|
|
(behandelten) Patienten keine Ess-Störungen mehr, 76 % zeigten auch keine anderen »psychiatrischen Störungen« und 71 % waren »gut psychosozial angepasst«
|
|
(Steinhausen et al. 2003; gleiche Resultate ergab eine 10-Jahres-follow-up-Studie von
|
|
Herpertz-Dahlmann et al. 2001). Die Folgen des anhaltenden, drastischen Untergewichts in Kombination mit der häufig fehlenden Krankheitseinsicht bzw. Veränderungsmotivation haben meist mehrfache stationäre Klinikaufenthalte für die
|
|
noch jungen Patienten zur Folge (Himmerich et al., 2018).
|
|
Bei etwa 20 % der Patientinnen wechselt die Symptomatik von der Anorexie zur
|
|
Bulimie (vgl. Herpertz-Dahlmann et al. 2005).
|
|
In einer Übersicht, auch über internationale Studien findet sich bei Fichter (2020)
|
|
eine Mortalitätsrate von etwa 5 %; auch Franke (2001) gibt aufgrund der vorliegenden Studien eine durchschnittliche Mortalitätsrate von 5,5 % an und beschreibt,
|
|
dass anorektische Mädchen/Frauen in höherem Maße suizidgefährdet sind. Herpertz-Dahlmann et al. (2005) stellten fest, dass »in den letzten Jahrzehnten (…) die
|
|
Mortalitätsrate der jugendlichen Magersucht deutlich gesenkt werden [konnte] «
|
|
(ebd., S. 263).
|
|
Bulimie
|
|
Hierzu existieren noch weniger Daten. Nach Franke gelingt es 50 % der Patienten,
|
|
ihre Erkrankungen zu überwinden, ein Viertel zeigt sich verbessert und bei einem
|
|
Viertel bleibt die Krankheit chronisch. Für diese Entwicklungen scheint es keine
|
|
eindeutigen Risikovariablen zu geben, eher eine Vielzahl unspezifischer Einflussfaktoren.
|
|
Quadflieg und Fichter (2003) sichteten die vorliegenden Studien zum Langzeitverlauf der Bulimie und kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Resultate über
|
|
den Verlauf sehr schwanken, weil unterschiedliche Diagnosekriterien, Erhebungsinstrumente usw. angewandt wurden. So ergaben sich Chronifizierungsraten der
|
|
Störung zwischen 9 % und 30 %, je nach Untersuchungszeitraum und -design; in
|
|
einer 10-Jahres-Katamnese wurde eine Chronifizierungsquote von 11 % ermittelt.
|
|
Die Mortalitätsrate liegt im Durchschnitt bei 0,3 %. Die Autoren kommen zu dem
|
|
Resümee: »Anorexia nervosa is definitely the more dangerous and deadly eating
|
|
disorder« (ebd., S. 106; ebenso Fichter, 2020).
|
|
Adipositas
|
|
Die schlechtesten Heilungsaussichten bestehen bei der Adipositas. Es handelt sich
|
|
um eine »chronische Erkrankung mit einer beträchtlichen Stabilität. Diese beginnt
|
|
bereits in der frühesten Kindheit« (Fichter & Warschburger 2000, S. 573). Bei Kindern, die schon früh übergewichtig sind, ist die Gefahr groß, dass diese Übergewichtigkeit bleibt (ebd.).
|
|
116
|