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Raw Blame History

5 Spezifische Formen von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

Therapie Auch bei den Angststörungen ist ein multimodales Vorgehen sinnvoll und angezeigt. So ist es für die ängstlichen Kinder wichtig, die Selbstsicherheit wieder zu gewinnen, das eigene Kontrollerleben verstärken zu können und in der Therapie die Erfahrung einer sicheren und verlässlichen Bindung zu machen. Grundsätzlich ist zwischen globaleren Ansätzen, die eher grundsätzlich die psychische Stabilität der Kinder erhöhen (wie z. B. personzentrierte Kindertherapie), und eher symptomorientierten Ansätzen zu unterscheiden. Kann das Kind seine Angst bewusst spüren und benennen, so ist eher eine verhaltenstherapeutische Intervention angezeigt. Im Gegensatz dazu wäre bei einem Kind, das seine Ängste nur verzerrt wahrnimmt oder gar leugnet eher eine Kinderpsychotherapie angezeigt (vgl. Weinberger 2001). Die verhaltenstherapeutischen Interventionen sind auf diese Symptomatik ausgerichtet, ihre Wirksamkeit ist gut nachgewiesen ( James et al., 2020). Diese Programme verfolgen vier Globalziele:

  1. »Erkennen von angstbezogenen Gedanken und körperlichen Reaktionen,
  2. Bewerten und Verändern von ungünstigen Kognitionen,
  3. Erproben von Verhaltensstrategien, um Angst auslösende Situationen besser zu bewältigen,
  4. Einüben, Erproben und Bekräftigen neuer Verhaltensweisen« (Petermann et al. 2002b, S. 261). Bei vielen umfassenderen Programmen geht es stark um die kognitiven Gesichtspunkte der Angst: »Befürchtungen und Bewertungen des Kindes bezüglich der Angst auslösenden Situationen oder seiner Einschätzung bezüglich seiner eigenen Bewältigungsmöglichkeiten in diesen Situationen werden ausführlich und in angemessener Weise in der Therapie betrachtet und gegebenenfalls verändert. Neben dem Angstabbau im engeren Sinne ist es Ziel dieser Therapie, die Autonomie und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen des Kindes zu stärken. Die Kinder werden stark gemacht, um schwierige Situationen und Probleme anzugehen und zu lösen« (Schneider 2006, S. 202). Wichtige Methoden sind dabei Selbstinstruktion und Selbstbeobachtung, um zu einer kognitiven Restrukturierung zu kommen. Auf Verhaltensebene gilt bei Angststörungen die Exposition, das Sich-Hinein-Begeben in die angstauslösende Situation als Mittel der Wahl. In komplexeren Behandlungsprogrammen werden auch die Eltern in die Angstbehandlung des Kindes einbezogen (vgl. die Zusammenstellung bei Schneider 2006). In einer Übersicht belegt Schneider (2006) einerseits die gut nachgewiesene Wirksamkeit der verhaltenstherapeutischen Interventionsprogramme, andererseits betrachtet sie kritisch, dass diese Forschung oft unter »Laborbedingungen« stattfand und noch zu wenig Befunde über die Psychotherapie in der Routinepraxis vorliegen. Auch besteht ein Entwicklungsbedarf im Bereich der Prozessforschung (vgl. hierzu auch die aktuelle Übersichtsstudie von James et al., 2020). 108