2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/089.md

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5.1 Internalisierende Auffälligkeiten
bzw. Konflikt: Die erlebten Anforderungen können mit den vorhandenen Möglichkeiten nicht oder nur unzureichend/unvollständig bewältigt werden. Dabei
spielt es zunächst keine Rolle, ob aufgrund eingeschränkter (Selbstwirksamkeits)
Erwartungen, eingeschränkter Selbstwahrnehmung oder Fehleinschätzungen der
Situation vorhandene Handlungspotentiale bzw. Ressourcen nicht realisiert werden, oder ob wirkliche Kompetenzdefizite bestehen.
→ Es kann so ein »depressiver Modus« beschrieben werden, der sich im Wesentlichen durch Selbstabwertung, Autonomieeinschränkung, (sozialen) Rückzug und
Kompetenzreduktion kennzeichnen lässt bei Fortbestand entwickeln sich hieraus
die beschriebenen depressiven Symptome auf affektiver, kognitiver, körperlicher
und Handlungsebene.
Die zunehmend erlebten Diskrepanzen zwischen Anforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten und letztlich die misslungene Bewältigung führen im Sinne
eines Kreislaufprozesses zur Bestätigung und Verfestigung des Selbst-Konzepts bzw.
der Selbst-Struktur (ein ähnliches Modell haben McCauely et al. 2001 [in: Groen &
Petermann 2011, S. 104] entwickelt).
Therapie10
In diesem Abschnitt sollen exemplarisch Grundsätze einer psychotherapeutischen
Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit einer depressiven Symptomatik
aufgezeigt werden (allgemeine Prinzipien der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie c Kap. 6.3). Die S3-Leitlinie zu Behandlung von Depressionen bei Kindern
und Jugendlichen weist darauf hin, dass eine besonders gute Evidenz für verhaltenstherapeutische Interventionen vorliegt.
a) Ebene der Beziehungsgestaltung
Vor allem frühe Beziehungserfahrungen haben zu einer depressionsrisikoerhöhenden Selbstschema-Bildung geführt (s. o.). Dies hat zur Konsequenz, dass das therapeutische Begegnungsangebot so gestaltet werden muss, dass neue Interaktionserfahrungen für das Kind11 möglich werden.
Hierzu ist eine adäquat empathische Unterstützung des Kindes bei der Realisierung (und Wiederentdeckung) des breiten Spektrums an Gefühlsqualitäten nötig;
eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Spiegeln der vom Kind gezeigten
Emotionen ebenso zu wie der Unterstützung bei der Regulation negativer Affekte.
Dabei gilt es, auf nonverbaler wie verbaler Ebene mit dem Kind passgenau »Interaktionsresonanz« (Behr 2002) zu gestalten. Dadurch können dem Kind auf spiele10 In diesem Abschnitt wird nur auf die Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit
Depressionen eingegangen. Die Pharmakotherapie ist bei Kindern und Jugendlichen nicht
das erste Mittel der Wahl, sondern wird ausschließlich bei schweren Fällen, wenn Psychotherapie nicht wirksam ist, von der 2023 überarbeitet erscheinenden S3-Leitlinie
empfohlen (Schulte-Körne, 2023) Sie kann in schweren Fällen die psychotherapeutische
Therapie ergänzen (Groen & Petermann, 2011 ff).
11 Aus sprachlichen Gründen wird im Folgenden nur der Begriff »Kind« gebraucht die dargelegten Prinzipien haben in gleicher Weise auch für Jugendliche Gültigkeit.
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