2.4 KiB
4.2 Grundprinzipien und Prozess Tab. 4.1: Übersicht über die Leitlinien zur Exploration der Eltern (aus: Döpfner et al. 2000b, S. 99; mit freundlicher Genehmigung des Hogrefe Verlags) – Fortsetzung Die lebensgeschichtliche Entwicklung bezieht sich sowohl auf die objektiven Fakten als auch auf die emotionale Bedeutung dieser Fakten für die Familie und das Kind. Die zeitliche Abfolge kann sich an wichtigen Ereignissen im Leben des Kindes oder der Familie orientieren oder im Vergleich zur Entwicklung der Geschwister erfragt werden: • Umstände der Zeugung, der Schwangerschaft (evtl. der Adoption) und Informationen zur frühen Kindheit: Schwangerschaftskomplikationen, einschließlich Alkohol- und Drogenkonsum der Mutter, Regulationsstörungen des Kindes sowie Bindungsverhalten in der frühen Kindheit etc.; • körperliche Entwicklung und medizinische Vorgeschichte: fein- und grobmotorische Entwicklung, Sauberkeitserziehung, Schlafverhalten, medizinische Anamnese etc.; • sexuelle Entwicklung: Reifestatus, insbesondere beschleunigte oder verzögerte Entwicklung, Masturbation, andere sexuelle Aktivitäten etc.; • kognitive Entwicklung und schulisches Funktionsniveau: Sprechen und Sprache, intellektuelle und schulische Stärken und Schwächen, schulische Lern- und Leistungsmotivation, Toleranz gegenüber Frustrationen und Kritik, Einstellungen zu Autoritätspersonen etc.; • emotionale Entwicklung und Temperament: Stimmung und Affekt, Angst, sexuelle Interessen, Befürchtungen und Aktivitäten, Regulation von Aggressivität, dissoziale Verhaltensweisen etc.; • Beziehungen zu Gleichaltrigen; • Beziehungen in der Familie; • Gewissensbildung und Wertvorstellungen; • Interessen, Hobbys, Talente und Nebenbeschäftigungen; • ungewöhnliche oder traumatische Lebensbedingungen/-ereignisse. 4. Familiärer und sozialer Hintergrund: • Eltern: Stärken, Schwächen und Konfliktbereiche als Einzelperson, Ehepartner und Elternteil bzw. – paar, Einstellungen der Eltern zum Kind, Art der Bindung der Eltern an das Kind, Bildung, Beruf, finanzielle Möglichkeiten etc.; • Familie und Haushalt: Zusammensetzung der Familie, Grenzen und Allianzen innerhalb der Familie, Problemlöse- und Kommunikationsstil, vorherrschende emotionale Stimmung, Erwartungen der Familie und Familiendisziplin, familiäre Belastungen etc.; • medizinische und psychiatrische Vorgeschichte der Familie; • Bedingungen des Psychosozialen und kulturellen Umfeldes.
71