2026-001/documents/verhaltensauffaelligkeiten/pages/064.md

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Diagnostik und Indikationsstellung
4.1
Was ist Diagnostik und wozu dient sie?
Ganz allgemein betrachtet ist es Sinn und Ziel der Diagnostik, systematisch Informationen (Daten) zu sammeln und zu analysieren, um einen Sachverhalt z. B. das
problematisch erlebte Verhalten eines Kindes (besser) verstehen zu können. In
Verbindung damit steht in der Regel die Empfehlung zu weiteren Handlungsschritten, die Beschreibung von möglichen Perspektiven und Zielen; letztendlich
geht es damit auch um eine Auswahl von Unterstützungsmöglichkeiten, mithin also
die Stellung einer Indikation.
Diese Form von Diagnostik ist ein Bestandteil klinisch-psychologischen Handelns; Diagnostik findet allerdings auch im Rahmen der Hilfeplanung bei den
Hilfen zur Erziehung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) statt (vgl.
hierzu Kapitel 6.2).
Grundsätzlich ist der diagnostische Prozess eingebettet in den Kernprozess professionellen pädagogischen Handelns in verschiedenen Zusammenhängen, wie
beispielsweise. Kindertageseinrichtungen und Schulen. Dieser Kernprozess besteht
darin, (1) zunächst systematisch ein Kind und seine »Lebensäußerungen« sei es das
Bewältigen einer Mathematikaufgabe, das Malen eines Bildes oder als ungewöhnlich
empfundenes Verhalten zu beobachten. Dann muss (2) das Beobachtete analysiert
und verstanden werden. Dieses Verstehen wird zur Grundlage für eine (3) Handlungsplanung, die dann wiederum (4) zum konkreten Handeln führt. Die Ergebnisse, die Folgen des Handelns werden (5) überprüft und sind möglicherweise
Ausgangspunkt erneuter Beobachtung (c Abb. 4.1).
Dieser Kreislauf verweist zugleich darauf, dass professionelles Handeln darin
besteht, nicht direkt vom Beobachten zum Handeln zu »springen« wenn ein Kind
bspw. eine Regel mehrfach missachtet, geht es zunächst nicht darum, immer und
immer wieder die angekündigten Konsequenzen umzusetzen. Professionalität besteht darin, zu verstehen, warum das Kind dennoch die Regel übertritt. Hier gilt es,
Hypothesen zu bilden und auf deren Grundlage das eigene Handeln zu planen.
Der Prozess bzw. auch der eigentliche Begriff der Diagnostik wird oft verkürzt auf
das »Festlegen« einer Diagnose, also auf das Kategorisieren eines Komplexes von
Verhaltensweisen bzw. Symptomen im Rahmen eines Begriffs. Diese Verkürzung
bedeutet eine Zuschreibung, die ja oft eine Abgrenzung von »normalem« zu »abweichendem« Verhalten beinhaltet auf diese Probleme ist in Kapitel 2 ausführlicher eingegangen worden. Eine solche Verkürzung ist unangebracht: Auch Diagnostik muss immer als Prozess betrachtet werden, es ist immer ein ko-konstruktiver
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