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3.3 Integratives bio-psycho-soziales Modell zur Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten
Die Art der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben bzw. Entwicklungsübergänge
hat eine große Bedeutung für die Weiterentwicklung der Selbststruktur: Eine gelingende Bewältigung ist selbstwertstärkend und führt dazu, neue Herausforderungen mutiger und letztlich in der Regel kompetenter anzugehen. »Die erfolgreiche Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und der daraus resultierenden
alltäglichen Aufgaben und Probleme (…) weist dabei einen Zusammenhang mit
dem psychischen Wohlbefinden und einem angepassten Entwicklungsverlauf auf«
(Petermann et al. 2004, S. 286, zum Zusammenhang zwischen dem Bewältigen von
Entwicklungsaufgaben und der Entstehung seelischer Störungen vgl. auch Hufnagel
& Fröhlich-Gildhoff 2002).
Diese Entwicklungsaufgaben unterliegen einem ständigen kulturellen und gesellschaftlichen Wandel und stellen sich zumindest teilweise auch für die Geschlechter unterschiedlich dar. Besonders im Jugendalter stellt sich eine Vielzahl von
Anforderungen, die in der »multioptionalen« und »Risikogesellschaft« in spezifischer Weise als Belastungen oder dauerhafte Stressoren wirken können (vgl. Fend
2001, Keupp 1997, 1999, 2005, Münchmeier 2003).
Im Jugendalter kommt dabei zum einen der Peer-Group als wichtigem »Orientierungspunkt« eine große Bedeutung zu. Zum anderen hat die Auseinandersetzung
mit dem eigenen Körper eine besondere Bedeutung.
In der Adoleszenz sind das Körperbild und das Körpererleben die entscheidenden
Variablen für die Herausbildung bzw. Aufrechterhaltung von Selbstbewusstsein und
Selbstwert, entscheidender als z. B. schulische Erfolge. In einer Untersuchung
konnten Buddeberg-Fischer und Klaghofer (2002) nachweisen: »Das Körpererleben
korreliert hoch mit der physischen und psychischen Befindlichkeit der Adoleszenten« (ebd., S. 707). Dabei haben jugendliche Mädchen zunächst ein negativer gefärbtes Gefühl zum eigenen Körper und ein entsprechend geringeres Kontrollerleben. Eine Studie von Roth (2002) ergab, dass »Mädchen im Vergleich zu Jungen eine
insgesamt größere Körperaufmerksamkeit aufweisen (…) Auch berichteten weibliche Jugendliche von einer größeren Unzufriedenheit mit ihrer Figur, nahmen ein
geringeres Ausmaß sportlicher Kompetenz wahr und unterschieden sich von ihren
männlichen Altersgenossen zudem durch ein stärkeres Erleben der Körperentfremdung. Weiterhin zeigte sich, dass Jungen bezüglich der Beeinflussbarkeit körperlicher Zustände und Kompetenzen (…) eine stärkere internale Kontrollüberzeugung aufwiesen als Mädchen« (ebd., S. 157 f; von gleichartigen Ergebnissen
berichten Buddeberg-Fischer & Klaghofer 2002 sowie Hähne & Zubrägel 2004
unter Bezugnahme auf die internationale Gesundheitsstudie »Health Behavior in
School-Aged Children, HBSC« der Weltgesundheitsorganisation).
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