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3.3 Integratives bio-psycho-soziales Modell zur Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten
Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von psychischen Auffälligkeiten. Auf der anderen Seite lassen sich eine Reihe protektiver Faktoren identifizieren, die entweder
risikomildernd und/oder entwicklungsfördernd wirken (vgl. ebd., S. 349 ff, Resch
2004, Bengel et al. 2009, Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse 2011).
Aus den verschiedenen Studien haben sich relativ übereinstimmend risikoerhöhende bzw. risikomildernde Faktoren für die kindliche Entwicklung identifizieren
lassen, die allerdings zueinander in komplexen Wechselwirkungen stehen.
Empirisch konnten folgende wesentliche protektive Faktoren identifiziert werden, die die Widerstandskraft von Kindern gegenüber Belastungen stärken und die
Bewältigungsfähigkeit von Krisensituationen verbessern (s. a. Rönnau-Böse 2013)
wobei im Umkehrschluss das Fehlen dieser Faktoren ein Entwicklungsrisiko darstellt:
• mindestens eine stabile emotionale Beziehung zu einer primären Bezugsperson
(das ist im optimalen Fall ein Elternteil, allerdings können auch andere Personen
aus dem Umfeld wie z. B. Großeltern, andere nahe Verwandte, aber auch professionelle Fachkräfte wie Erzieher diese Funktion erfüllen, Pianta et al. 2007)
• Bindungsfähigkeit und die Realisierung »feinfühligen« Verhaltens durch die Bezugspersonen, um sicheres Bindungsverhalten zeigen zu können
• emotional warmes, offenes, aber auch klar strukturierendes Erziehungsverhalten
der Bezugspersonen (eine besonders positive Bedeutung hat hier ein autoritativer
bzw. demokratischer Erziehungsstil) (vgl. Wustmann 2004, S. 108 ff, Petermann
et al. 1998, 2004)
• soziale Unterstützung außerhalb der Familie
• soziale Modelle, die angemessenes Bewältigungsverhalten in Krisensituationen
zeigen, Kinder ansprechen und ermutigen
• frühe Möglichkeiten, Selbstwirksamkeitserfahrungen machen zu können und so
entsprechend positive internale Kontrollerwartungen/-überzeugungen herauszubilden
• damit verbunden: Selbstvertrauen, positiver Selbstwert, positives Selbstkonzept
• dosierte soziale Verantwortlichkeit
• kognitive Kompetenzen, die angemessen angeregt werden müssen
• adäquate Anforderungen in der jeweiligen »Zone der nächsten Entwicklung«
(Wygotsky 2002)
• Selbststeuerungs- bzw. Selbstregulationsfähigkeiten, die mit Unterstützung
durch Bezugspersonen (vor allem bei der Affektregulation) herausgebildet werden
• Phantasie
• ein stabiles »Kohärenzgefühl«, also das Gefühl der Verstehbarkeit von Ereignissen
und Erlebnissen, der Bewältigbarkeit bzw. Handhabbarkeit von Anforderungen
und der Sinnhaftigkeit bzw. der Bedeutsamkeit des eigenen Tuns (vgl. Antonovsky 1997)
• damit verbunden ist allgemeiner das Erfahren und das Erleben eines Sinns und
einer Bedeutung der eigenen Existenz; hier kann Glaube eine wichtige Bedeutung
haben
• gute oder zumindest sichere sozio-ökonomische Bedingungen
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