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3.3 Integratives bio-psycho-soziales Modell zur Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten
d)
Das Erleben von Kontrolle und Selbstwirksamkeit
Entsprechend seiner Lebenserfahrungen, die ein Individuum insbesondere in den
ersten Lebensjahren macht, »entwickelt es eine Grundüberzeugung darüber, inwieweit das Leben einen Sinn macht, ob Voraussehbarkeit und Kontrollmöglichkeit
besteht, ob es sich lohnt, sich einzusetzen und zu engagieren (…). Diese lebensgeschichtlichen Erfahrungen führen zu bestimmten Erwartungen, in welchem Ausmaß dieses Grundbedürfnis befriedigt wird« (Grawe 1998, S. 350; vgl. auch Rotter
1966).
Das Erleben von Kontrolle steht in engem Zusammenhang mit dem Erleben von
Selbstwirksamkeit (»self-efficacy«, Bandura 1977, 1995, 1997). Selbstwirksam zu sein
heißt, aufgrund bisheriger Erfahrungen auf seine Fähigkeiten und verfügbaren
Mittel vertrauen zu können und davon auszugehen, ein bestimmtes Ziel auch durch
Überwindung von Hindernissen am Ende tatsächlich erreichen zu können. »Perceived self-efficacy refers to beliefs in ones capabilities to organize and execute the
courses of action required to manage perspective situations. Efficacy beliefs influence how people think, feel, motivate themselves, and act« (Bandura 1995, S. 2).
Eine große Bedeutung haben dabei die Erwartungen, ob das eigene Handeln zu
Effekten führt oder nicht. Diese Erwartungen steuern schon im Vorhinein das
Herangehen an Situationen und Aufgaben (und damit auch die Art und Weise ihrer
Bewältigung) und führen so oftmals zu einer Bestätigung des eigenen Selbstwirksamkeitserlebens.
Selbstwirksamkeitserwartungen werden nach Bandura (1977) aus vier wesentlichen Quellen gespeist: »direkte Handlungserfahrungen, stellvertretende Erfahrungen, sprachliche Überzeugungen und die wahrgenommene physische Erregung. Die
einflussreichste und überzeugendste Informationsquelle stellen eigene Handlungen
dar, wobei Erfolge die Erwartung von Selbstwirksamkeit stärken und Misserfolge
sich entsprechend ungünstig auswirken« ( Jerusalem 1990, S. 33).
Die Ergebnisse der empirischen Säuglingsforschung haben gezeigt, dass auch die
Wurzeln für die Entstehung des Selbstwirksamkeitserlebens schon in einem sehr
frühen Entwicklungsabschnitt, nämlich dem der sogenannten Kern-Selbstbildung
(ca. 3.7./9. Lebensmonat) liegen. Dabei ist es sehr entscheidend, in welchem Ausmaß und mit welcher Eindeutigkeit Kinder sogenannte »Urheberschaftserfahrungen« machen können (vgl. Stern 1992; Dornes 1995, 1997).
Fehlendes Kontroll- oder Selbstwirksamkeitserleben führt zu Stress (vgl. Jerusalem 1990), zu verringertem Selbstwert-Erleben bis hin zu Gefühlen genereller
Handlungsunfähigkeit (zur Bedeutung der Selbstwirksamkeitserfahrungen für die
kindliche Entwicklung vgl. auch Jaede 2002).
3.3.3
Selbststruktur
Aus dem ausgiebig beschriebenen Wechselspiel von biologischen Ausgangsbedingungen und frühkindlichen (Beziehungs)Erfahrungen ergeben sich Konsequenzen
für die Selbststruktur (bzw. »Affektlogische Schemata«, Resch 2004, S. 38, Grosse
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