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3 Allgemeines Modell der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten
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zeigen, dass die meisten Kinder die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme erst mit
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etwa vier Jahren ausgebildet haben. Vorher sind Erwartungen, dass Kind möge sich
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in jemand anderes hineinversetzen (»Du musst doch verstehen, dass Karl traurig ist,
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wenn Du ihn schlägst«), nicht zu erfüllen.
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Verbunden mit der Entwicklung der Fähigkeit Perspektivenübernahme ist die
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»Mentalisierungsfähigkeit«, die Fähigkeit, anderen Personen innere Zustände wie
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z. B. Wünsche und Intentionen zuzuschreiben und die eigenen Wünscheund Absichten hierzu ins Verhältnis zu setzen (Fonagy et al. 2004, Taubner 2015).
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Das Konzept der Mentalisierung(sfähigkeit) geht davon aus, dass Menschen
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grundlegend versuchen, das Verhalten anderer zu verstehen – um sich selbst in der
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(sozialen) Welt orientieren zu können. Mentalisieren bedeutet, »dass psychische
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oder mentale Befindlichkeiten genutzt werden, um zu verstehen, wie sich das eigene
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und das Verhalten anderer begründet. Psychische und mentale Befindlichkeiten sind
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z. B. Wünsche, Motive, Ziele, Überzeugungen und Gefühle, die hinter einem Verhalten vermutet werden können. Mentalisierung befähigt demnach, eigenes Verhalten und das Verhalten anderer Menschen durch die Zuschreibung von mentalen
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Zuständen einerseits zu interpretieren und andererseits vorherzusagen« (Taubner
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2015, S.15 f). Mentalisierung ermöglicht »die innere von der äußeren Realität sowie
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innere psychische und emotionale Vorgänge von interpersonalen zu unterscheiden«
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(Fonagy & Target 2003, S.364).
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Das Mentalisierungskonzept geht insofern über das Theory-of-Mind-Konzept der
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(kognitiven) Perspektivenübernahme (vgl. Premack & Woodruff 1978) hinaus, als
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auch affektive Zustände bei sich und anderen reflexiv erschlossen werden können.
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Dies beinhaltet eine angemessene Selbstreflexion und das In-Beziehung-Setzen eigener psychischer Zustände/Befindlichkeiten zu denen anderer Menschen. Darin
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findet sich wiederum eine Nähe zum Empathiebegriff, das Mentalisierungskonzept
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geht aber im Einbezug der kognitiven Komponente auch über diesen hinaus.
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Erst wenn die Mentalisierungsfähigkeit – regelhaft ab ca. 5 Jahren – ausgebildet
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ist, können Kinder sich selbst und andere als Wesen mit seelischen Zuständen verstehen und sich dadurch mit eigenen psychischen Zuständen und denen anderer
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befassen. Auch die Mentalisierungsfähigkeit entsteht in der Interaktion mit erwachsenen Bezugspersonen. Diese müssen die inneren Zustände des Kindes adäquat
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spiegeln und klare Rückmeldungen darüber geben – und selbst ein Vorbild darstellen, das über sich und seinen Bezug zu anderen reflektiert.
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Empathie und emotionale Perspektivenübernahme sind eine wichtige Mediatorvariable für die »Eindämmung« aggressiven und die Ausbildung prosozialen
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Verhaltens (z. B. Petermann & Wiedebusch 2003, Essau & Conradt 2004, Taubner
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2015). Wenn Kinder die Empathie-, Perspektivenübernahme- und Mentalisierungsfähigkeiten nicht entwickelt haben, so hilft es nicht, daran zu appellieren
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(»versetz Dich mal in den anderen«) – es ist ein kleinschrittiger Prozess des NachLernens nötig.
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