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3 Allgemeines Modell der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten
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Neurophysiologische Zusammenhänge
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Ähnlich sind neurobiologische und neurophysiologische Zusammenhänge zu betrachten: In vielen Erklärungsmodellen wird auf neurophysiologische Veränderungen des Gehirns oder Störungen im Stoffwechsel für Botenstoffe (z. B. »Neurotransmitterstörungen«) verwiesen, wenn es um die Beschreibung der Ursachen
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seelischer Erkrankungen oder von Verhaltensauffälligkeiten kommt. Aber auch hier
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ist ein Prozess wechselseitiger Beeinflussung festzustellen und die stofflichen, organischen Veränderungen stellen vielfach nur Korrelate von Verhaltensstrukturen
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dar, die sich wiederum aus (Lern‐) Erfahrungen gebildet haben. »Viele Hormone,
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Neurotransmitter und Neuromodulatoren tragen zur Bildung affektiver Zustände
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und ihrem Verhaltensausdruck bei, indem sie vor allem bestimmte limbische
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Hirnstrukuren beeinflussen. Umgekehrt wirkt sich Verhalten auf das aktuelle Niveau, die folgende Ausschüttung von und die Empfindlichkeit für solche(n) chemische(n) Stoffe(n) aus (…). Auf jeder Stufe der ontogenetischen Entwicklung
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können sich Umwelteinflüsse auf die Reifung und die Aktivität eines bestimmten
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Systems oder Mechanismus auswirken, die mit dem Ausdruck sozial affektiven
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Verhaltens zusammenhängen« (Petermann et al. 2004, S. 272).
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Entsprechend der hohen Plastizität des Gehirns und der nutzungsabhängigen
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Herausbildung von Strukturen ist auch hier von Wechselwirkungen zwischen
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hirnorganischen Strukturen und Korrelaten einerseits und Verhaltensweisen andererseits auszugehen (ausführlichere Beschreibung z. B. bei Hüther 2004, 2005,
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Spitzer 2002, Grawe 2004).
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Natürlich haben offensichtliche neurologische Verletzungen, die z. B. durch prä-,
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peri- oder postnatale Bedingungen verursacht sind, eine größere Bedeutung für die
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Herausbildung von auffälligem Verhalten. Sie haben oft sekundär negative Auswirkungen auf Wahrnehmungen, Informationsverarbeitung und Möglichkeiten der
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Emotionsregulation (vgl. hierzu auch die Zusammenstellung bei Scheithauer &
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Petermann 2004, S. 93 ff, Papousek 2004).
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In jüngster Zeit hat die Psychoneuroimmunologie (PNI) wissenschaftlich an
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Bedeutung gewonnen: PNI untersucht das hochkomplexe Zusammenspiel immunologischer, neurologischer/neurophysiologischer und psychischer Prozesse. Dabei
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wird zunehmend deutlich, wie psychosoziale Prozesse – und besondere »Stressoren«,
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also als Belastungen empfundene Umweltereignisse – mit dem »immuno-neuroendokrinologischen Netzwerk interferieren« (Schubert 2011, S. 7) – und umgekehrt.
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Damit wird das Zusammenwirken von Körper und Seele in seiner gesamten
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Komplexität betrachtet. PNI betont auch die Bedeutung von Psychotherapie, also
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das Anbieten neuer, veränderter Beziehungserfahrungen; Psychotherapie, kann
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»grundlegend und korrigierend in dysfunktionale physiologische Muster eingreifen
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und damit psychosomatische Erkrankungen heilen« (ebd.).
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Temperament
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Eine sehr große Bedeutung wird Temperamentsfaktoren und unterschiedlichen
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Dispositionen zur Affektregulation auf neurophysiologischer Ebene zugeschrieben.
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