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3.3 Integratives bio-psycho-soziales Modell zur Erklärung von Verhaltensauffälligkeiten
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die Embryonen unmittelbar nach der Befruchtung vertauscht, also durch Embryonentransfer den weiblichen Tieren des jeweils anderen Stammes eingepflanzt, so
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verhielten sich die Nachkommen später, wenn sie geboren und erwachsen geworden
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waren, genauso wie die Mäuse des Stammes, deren Mutter sie ausgetragen und
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aufgezogen hatten, und nicht so wie die Tiere des Stammes, von denen sie eigentlich
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abstammten. Das scheinbar genetisch bedingte und programmierte Verhalten eines
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Mäusestammes, in einer neuen Umgebung ängstlich zu sein, Orientierungsschwierigkeiten zu haben und schlechter zu lernen, ist offenbar durch frühe intrauterine Erfahrungen und Entwicklungsbedingungen mitbestimmt« (ebd., S. 107;
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weitere Experimente finden sich bei Petermann et al. 2004, S. 248).
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Neuere Ergebnisse der Epigenetik, also genauer Untersuchungen der Art, wie GenExpressionen ablaufen und durch Umwelteinflüsse mitgesteuert werden, legen
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nahe, dass bestimmte Verhaltensformen auch auf die genetische Struktur zurückwirken. So zog Meaney (2001a, b) aus seinen umfangreichen Tierexperimenten den
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Schluss, dass natürlicherweise vorkommende Variationen in mütterlicher Fürsorge
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(bei Mäusen und Ratten) die Expression von Genen verändern, die die Antworten
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auf Stress auf Verhaltens- und endokrinologischer Ebene regulieren. Ebenso wird die
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Synapsenentwicklung im Hippocampus beeinflusst. Entsprechende Veränderungen
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zeigen sich auch bei den Abkömmlingen (Töchtern) der (in diesem Falle fürsorglichen) Tiere.
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Es konnte so gezeigt werden, »dass die Art der Aufzucht und nicht die Abstammung das spätere Fürsorgeverhalten der weiblichen Ratte und die Stressregulation
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determiniert. Die Effekte blieben über drei Generationen hinweg beobachtbar
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(Francis, Diorio, Liu & Meaney, 1999) […] Die Autoren interpretieren diese Ergebnisse auch so, dass das Fürsorgeverhalten sowie die Stressregulation auf die
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nächste Generation durch einen Interaktionseffekt aus genetischer Vulnerabilität
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und unterschiedlicher Fürsorge (Umweltfaktor) vererbt wird […]. Die Interaktion
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zwischen ›nature‹ und ›nurture‹ findet auf der Bindungsebene statt (Lehtonen 1994),
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wobei die primäre Bindungsperson als psychobiologischer Regulator bzw. Dysregulator der Hormone des Kindes wirkt, welche die direkte Gentranskription steuern.
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Der Spiegel des Cortisols im Säuglingsgehirn, das für die Stressbereitschaft verantwortlich ist, wird signifikant durch die Mutter-Kind-Interaktion beeinflusst (Meaney, Aitken, Berkel, Bhatnagar & Sapolsky, 1988)« (Brisch 2004, S. 40).
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Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Das Genom eines bestimmten Lebewesens umfasst viele Entwicklungsmöglichkeiten. Doch diese sind nicht immer und in
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jeder Situation verfügbar, sondern wandeln sich mit dem Entwicklungsstand und
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dem Kontext. Die Entwicklungsmöglichkeiten treten im Verlauf der Ontogenese zu
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Tage. »Vielmehr ist es so, dass sich ein Phänotyp unter der gegenseitigen Beeinflussung von Anlage und Umwelt entwickelt. (…) Gene folgen nicht isoliert von
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jeglichen Umwelteinflüssen unbeirrbar einem vorgegebenen Plan, sondern sind
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Bestandteile eines flexiblen organischen Systems« (Petermann et al 2004, S. 254).
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Ebenso sind Wechselwirkungen zwischen genetischer Aktivität, struktureller Reifung sowie Funktion, Aktivität und Erfahrung belegt.
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