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3 Allgemeines Modell der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten
Individuum zu Beeinträchtigungen führen (…)« (ebd.). Folgende Abbildung soll
dieses Prinzip noch einmal verdeutlichen (c Abb. 3.1):
Äquifinalität
Ausgangsbedingungen z. B.:
Geringe Kontrollerfahrungen
Vernachlässigung
Trauma: Verlust
von Bezugspers.
etc.
Tiefe Traurigkeit und Antriebslosigkeit
Entwicklungsziel (z. B. Verhaltensform)
Multifinalität
Ausgangsbedingung z. B.:
Vernachlässigung
Tiefe
Traurigkeit
„Kampfbereitschaft“
Anpassung
Entwicklungsziele (z. B. Verhaltensform)
Abb. 3.1: Äquifinalität und Multifinalität (nach Petermann, F., Niebank, K. & Scheithauer,
H., 2004, S. 283)
Derartige Modelle beschreiben noch nicht ausreichend das komplexe, nicht-lineare
Zusammenwirken unterschiedlichster Faktoren. Aussagen, die von einem »additiven Zusammenwirken« ausgehen etwa in der Form: »Die Intelligenz wird zu 50 %
durch Gene und zu 50 % durch Umwelt bedingt« sind in diesem Sinne völlig
unzureichend (c Kap. 3.3.1). »Im Gegensatz zu mechanischen, deterministischen
Systemen, für die das Ergebnis völlig vorhersagbar ist, wenn die Ausgangsbedingungen und die später einwirkenden Kräfte bekannt sind, ist es bei lebenden Systemen unmöglich, aufgrund einer einzigen Ursache ihre Entwicklung zu beschreiben oder vorherzusagen. Der Grund dafür ist, dass sie nicht einfach auf Einflüsse
reagieren, sondern selbstorganisierend und selbstkonstruierend sind, und dies innerhalb von Umwelten, die ihrerseits selbstorganisierend und selbstkonstruierend
sind« (Petermann et al. 2004, S. 262).
Petermann et al. (2004) beschreiben ein »Modell der selbstorganisierenden
Komplexität« (ebd., S. 261 ff). Dieses Modell wird von Kybernetikern und Systemtheoretikern mittlerweile sowohl für naturwissenschaftliche Prozesse im engeren
Sinne, aber auch für soziale Prozesse und als Grundgesetz lebender Organismen
überhaupt angenommen. Dabei streben Systeme einerseits nach Ordnung: »Das
Programm des Lebens beinhaltet nämlich, der unendlichen Komplexität einer
einmalig ablaufenden Welt-Evolution, dem Chaos, dadurch Ordnung abzuringen,
dass Regelmäßigkeiten ge- und erfunden werden (…). Selbst dort, wo diese Regelsuche und Ordnungskonstitution eigentlich erfolglos verlaufen ist, werden Strukturen konstruiert« (Kriz 2004, S. 18 f). So kommt es immer wieder zum Versuch,
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