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2 Begriffsbestimmung: Was ist »verhaltensauffällig«?
von 6,8–37,4 % (ca. drei Viertel der berichteten Prävalenzen lagen zwischen 15 und 22 %). Zu den häufigsten Störungen (jeweils die durchschnittliche Prävalenz) zählen Angststörungen (10,4 %), gefolgt von dissozialen (7,5 %), depressiven (4,4 %) und hyperkinetischen Störungen (4,4 %). Internalisierende Störungen traten jedoch seltener bei Kindern auf, die jünger als 13 Jahre alt sind. Interessant ist darüber hinaus, dass bis zum Alter von 13 Jahren höhere Gesamtprävalenzraten bei Jungen gefunden werden, mit dem Einsetzen der Pubertät gleichen sich die Störungsraten für Jungen und Mädchen an oder Mädchen sind im Jugendalter insgesamt häufiger von psychischen Störungen betroffen« (Petermann et al. 2004, S. 312). International legten Polanczyk und Kollegen 2015 erstmals eine Metaanalyse zur weltweiten Prävalenz psychischer Erkrankungen vor. Sie fassten dabei 41 Studien aus 27 Ländern zusammen, die von 1985 bis 2012 erschienen. Berücksichtigt wurden dabei nur Studien mit einem kategorialen Ansatz, die die vier größten Störungsgruppen umfassten, nämlich Angststörungen, externalisierende Störungen des Sozialverhaltens, ADHS sowie emotionale Störungen. Dabei ergab sich eine gemittelte Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen von 13,4 % (CI 95 %: 11,3–15,9). Angsterkrankungen sind demzufolge weltweit mit 6,5 % (CI 95 %: 4,7–9,1) am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen vertreten, gefolgt von externalisierenden Sozialverhaltensstörungen mit 5,7 % (CI 95 %: 4,0–8,1), gefolgt von ADHS mit 3,4 % (CI 95 %: 2,6–4,5) sowie depressiven Störungen mit 2,6 % (CI 95 %: 1,7–3,9). Jedoch zeigten sich auch hier große Unterschiede in den Prävalenzen der Einzelstudien. Diese sind durch methodische Differenzen erklärbar. Keine größere Rolle schienen regionale oder nationale Unterschiede zu spielen, und anders als erwartet, gab es auch keine Zunahme der Erkrankungen über die Zeit. Es ist allerdings, neben methodischen Kritikpunkten4, davon auszugehen, dass die Prävalenzen in der Studie unterschätzt werden, da wichtige Störungsgruppen, wie z. B. Essstörungen und Zwangsstörungen, nicht berücksichtigt wurden. Barican et al. (2022) fassten in einer Metaanalyse, also der quantitativen Kombination mehrerer Forschungsarbeiten, die Ergebnisse von 14 Studien aus 11 entwickelten Industrieländern (nicht Deutschland) aus den Jahren 2003 bis 2020 zusammen, also ebenfalls vor dem Auftreten von COVID-19. Berücksichtigt wurden 61 545 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 18 Jahren. Dabei ergab sich eine durchschnittliche Prävalenz psychischer Erkrankungen von 12.7 % (95 % CI 10.1 % to 15.9 %; I 2 =99.1 %). Zu den häufigsten Störungen gehörten Angststörungen (5.2 %), gefolgt von hyperkinetischen Störungen (3.7 %), oppositionellen Störungen (3.3 %), Substanzmissbrauch (2.3 %), Störung des Sozialverhaltens (1.3 %) und depressiven Störungen (1.3 %). Dabei hatten 26.5 % der Kinder mit einer psychischen Erkrankung mehr als eine Diagnose (Barican et al., 2022). Hervorzuheben ist bei dieser Studie, dass nur Kinder und Jugendliche eingeschlossen wurden, bei denen durch die Symptome eine deutliche Beeinträchtigung vorlag. In Bezug auf Deutschland liegt mit der Studie von Barkmann und SchulteMarkwort (2012) ebenfalls eine Metaanalyse vor (Einschluss von 33 Studien, Zeitraum 1953–2007, n = 72.978 Kinder und Jugendliche) erbrachte eine vergleichsweise 4 So wurde unterschiedliche Zeiträume einbezogen. So finden sich Punktprävalenzen, 6Monats-Prävalenzen, EIn-Jahres-Prävalenzen und Lebenszeitprävalenzen in der Studie.
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