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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 273 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
11. Familienorientierung in einem kommunalen Jugendhilfenetzwerk
beit mit den Mesosystemen, werden systemische Beraterinnen auf
Honorarbasis eingesetzt. An jedem Nachmittag arbeiten zwei bis drei
Eltern in den genannten Bereichen mit. Die Kinder kommen direkt
nach der Schule und erhalten dort ein Mittagessen, an dem auch die
Mitarbeiterinnen und Eltern teilnehmen. Schon die gemeinsam am
Tisch eingenommenen regelmäßigen Mahlzeiten sind für viele Eltern
und Kinder ungewohnt. Dabei lernen Eltern und Kinder etwas über
ausgewogene Ernährung und Tischsitten; es gibt Gespräche über das,
was in der Schule oder am Morgen wichtig war; alle lernen, einander
zuzuhören, und haben die Möglichkeit, etwas für sie Wichtiges zu berichten.
Anschließend werden die Hausaufgaben erledigt. Dabei unterstützen Fachkräfte und mitarbeitenden Eltern die Kinder. Am Anfang
ist es oft sinnvoll, dass die Eltern mit fremden Kindern arbeiten und
dafür Verantwortung übernehmen. Erst wenn sie sich in dieser Aufgabe ein wenig »heimisch« fühlen, helfen sie den eigenen Kindern.
Viele Eltern haben eine negative Einstellung zur Schule. Wir versuchen deshalb, durch Gespräche mit der Familie, aber auch in der
Schule dieses Negativbild in eine viele unterschiedliche Bestandteile
enthaltende Collage zu transformieren. Dafür ist es auch wichtig, eine
Handlungsstruktur zur Erledigung der Hausaufgaben zu finden, bei
ihrer Bewältigung erfolgreich zu sein und dadurch Freude am Lernen,
am Erlernten und Stolz auf die vollbrachten Leistung zu erfahren.
Wichtige Erlebnisse sind Geburtstagsfeiern und Feste im Jahresverlauf. Für Eltern und Kinder sind in diesem Bereich Rituale etwas ganz
Neues, das sie anregt und ihnen sehr wichtig wird. Einmal monatlich
trifft man sich zu einem Elternfrühstück. Dies ist ein Ort angeregten
Austausches; Fragen werden geklärt, und es gibt Hilfestellungen,
z. B. für Anträge an Ämter, die dann vor Ort erledigt werden.
Ein weiterer wichtiger Bereich sind gemeinsame Freizeitaktivitäten, wie Spiele, Bastel- und Sportangebote, Ballspiele, Schwimmbadbesuche, Wanderungen.
So eröffnen sich viele Möglichkeiten zu einem positiven, anregenden Umgang miteinander: Eltern entdecken durch das eigene Erleben ganz neue Perspektiven für sich und einen Zugang zu vorher
wenig oder unbekannten Verhaltens- und Lebensbereichen. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, zu vermitteln, welche kostenlosen oder kostengünstigen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung
es gibt.
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